Genusswandern auf der 2. Etappe des Alpe-Adria-Trails

Weitwandern Alpe Adria Trail (c) Bild: Kärnten Werbung GmbH./Franz

Unser Wegzertifizierer Andreas war Anfang Juni auf der zweiten Etappe des wundervollen Alpe-Adria-Trails unterwegs und hat uns die Eindrücke seiner Wanderung mitgebracht.

 

Im bekannten Bergsteigerdorf und Wallfahrtsort Heiligenblut beginnt die Wanderung. Das kleine Bergdorf liegt am Schluss eines waldreichen Kerbtales und wird vom kühnen Eisgipfel des Großglockners überragt. Eine atemberaubende Szenerie! Dieses weltbekannte Motiv kennt bestimmt jeder von euch von Postkarten oder Kalendern. Leider hatten wir nur kurz das Vergnügen und der Gipfel hüllte sich wieder in Wolken. Heilienblut erscheint auf den ersten Blick als das Ende der „zivilisierten“ Welt 🙂 Einheimische, Ausflugsgäste, Wanderer und Bergsteiger mischen sich im urigen Dorfkern und so entsteht eine spannende Atmosphäre zwischen Tradition und Bergabenteuer…. Bergabenteuer ist das Stichwort – auf geht’s…

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Wir starten am symbolträchtigen Wanderstartplatz am Dorfplatz und machen einen kurzen Abstecher zum Wahrzeichen von Heiligenblut, der gotischen Wallfahrtskirche St.Vinzenz. Im Friedhof der Kirche besuchen wir noch das berühmte Bergsteigergrab von Heiligenblut. Dort sind in einem Metallbuch alle am Großglockner tödlich Verunglückten vermerkt.

Zum höchsten Punkt und doch kein Gipfel

Herrliche Fußpfade und Bauernstraßen führen uns durch urigen Bergwald höher. Ich plaudere mit meinem Gefährten Ron – einem der ersten zertifizierten Natur-Aktiv-Guides über Gott und die Welt. Das Schöne am Wandern ist ja, dass der Geist frei wird und der Blick klarer. Ganz nebenbei werden die versteckten Blicke ins Tal tierfer, der Abstand nach Heiligenblut größer. Die Zeit verfliegt und wir stehen vor dem Lenzerhof, dem höchsten Punkt dieser Etappe. Der Alpengasthof ist eine beliebte Einkehr mit regionalen Schmankerln.

 

Eine Landschaft voller Harmonie & lebendiger Tradition

Die bergbäuerliche Kulturlandschaft ab dem Lenzerhof ist zweifelsohne der Erlebnishöhepunkt dieser Wanderung. Steile Hänge, blumenreiche Wiesen, traditionsreiche Heuharpfen, urige Bauernhöfe, Holzbaukunst in Perfektion, gottesfürchtige Flurdenkmäler, gepflegte Bauerngärten, trocknende Wäsche, … ein Erlebnis für sich! Ein wundervoller Ausblick ist zum Beispiel auf den 130m hohen Jungfernsprung-Wasserfall. Ron erweist sich hier als profunder Kenner der regionalen Gepflogenheiten.

Die Apriacher Stockmühlen - Bäuerliche Technik zum Nachdenken


Ein bäuerliches Highlight am Wegesrand sind die Apriacher Stockmühlen. Acht Bauern haben hier entlang eines kleinen Baches ihre Getreidenmühlen errichtet.


Der Mentlhof – Einblicke in das bergbäuerliche Leben

Der Mentlhof ist ein Erlebnis für sich! Sein kurzweiliges Museum erlaubt sehr anschauliche Einblicke in das bergbäuerliche Leben. Leider sind die Öffnungszeiten sehr eingeschränkt. Das ist vor allem für aufmerksame Alpe-Adria-Trail-Begeher schade, denn hier lassen sich zahlreiche Erklärungen für am Weg befindliche Besonderheiten entdecken – eine wahre Schatztruhe!

Der Apriacher Kirchenweg – Ein Weg ins Leben

Von Apriach folgt der Alpe-Adria-Trail dem alten Kirchenweg hinunter nach Döllach. Stimmungsvolle Hohlwege und gemütliche Wanderpfade sorgen dabei für Wanderspaß pur. Während des Abstieges wird mir plötzlich die Länge dieses Kirchenweges bewusst. Sie lässt den Weg fortan in einem neuen Licht erscheinen: als symbolhafter Weg zum Seelenheil, aber auch als Weg aus der Abgeschiedenheit zu sozialem Kontakt.

Döllach – Heute Etappenziel, einst pulsierendes Herz

Unser Etappenziel Döllach erscheint heute auf den ersten Blick eher als moderne Siedlungsgemeinde. In vergangenen Tagen war es jedoch das Verwaltungszentrum des regionalen (Gold)Bergbaus – ein pulsierendes Herz! Zahlreiche verborgene Zeugen erinnern noch stumm an diese Zeit: das Schloss Großkirchheim und sein Schössl, der Döllacher Dorfwirt, der Putzenhof, …

Im lauschigen Gastgarten des traditionsreichen Döllacher Dorfwirtshauses lassen Ron und ich diese wundervolle Wanderung kulinarisch ausklingen: bei Heusuppe und Glocknerlamm. Vom rührigen Wirt Hubert als Null-Kilometer-Menü empfohlen sträube ich mich anfangs dagegen. Null-Kilometer! Es war zwar eine kurze Etappe, aber wir waren doch 4 Stunden unterwegs. Hubert klärt auf, dass nicht die Etappenstrecke gemeint ist, sondern dass die Zutaten direkt aus der Region kommen und so quasi Null-Kilometer-Anfahrt für diese notwendig sind. Oh, na dann … So können wir die traumhafte Landschaft, die wir eben durchwandert sind, noch einmal mit dem Gaumen genießen. Hat übrigens vorzüglich geschmeckt! Hubert hat Zeit und setzt sich zu uns. Dass sich die Einheimischen Zeit zum Ratschen nehmen, fällt bei dieser Tour auf. Er erzählt von der langen Wirtshaustradition seiner Familie, von seinem Ausbruch in die Münchner Schickeria und seiner Rückkehr nach Hause: zur Tradition. Heute ist er der Dorfwirt – in 5. Generation – und stolz darauf. Mit seinen innovativen Produkten versinnbildlicht er für mich, dass Tradition nicht heißt, in der Asche zu wühlen, sondern die Flamme weitertragen!

Das Döllacher Dorfwirtshaus - Das Null-Kilometer-Menü!

Spätnachmittag – Zeit für Körper und Geist

Aufgrund der moderaten Länge der Etappe 2 bleibt am Spätnachmittag Zeit um die Umgebung von Döllach zu erkunden. Zuerst spazieren wir zum wildromantischen Gartlwasserfall. Seinen kühlen, heilkräftigen Gischtnebel einatmend lassen wir die Seele baumeln und hängen unseren Gedanken nach.  Der Heilsamkeit der Wasserfälle des Nationalparks Hohe Tauern ist man sich erst seit kurzen bewusst. Nun macht man in der Broschüre „Wilde Wasser“ auf diese aufmerksam. Im Anschluss besuche ich noch alleine den „historischen“ Putzenhof mit seiner gelungenen Tauerngold-Ausstellung. Klein, aber fein bietet diese einen spannenden Überblick über den Goldbergbau der Region. Dabei erklärt sich auch so manche Besonderheit der heutigen Etappe.

Das bleibt … In Erinnerung bleibt ein wundervoller Tag: eine erlebnisreiche Fußreise durch alte Kulturlandschaften voller Harmonie und lebendiger Tradition!

Wilde Wasser im Nationalpark Hohe Tauern

 

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Die A-A-T-Homepage gibt euch alle Infos zum Weg.

Text und Beitragsbilder: (c) Andreas Kranzmayr, Alpe Adria Trail

13. November 2015