Die leichte Küche: Kartoffelchips auf Weitwandern-Art… :)

Wandern & Weitwandern - Kochen am Zeltplatz (c) Martin Marktl

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

Die leichte Küche

Heute geht’s wieder mal um das Rucksackgewicht. Wie schon an anderer Stelle bemurmelt, trägt Wasser zur Last am Rücken am meisten bei – also gilt es, an dieser Schraube zu drehen, wo immer es geht. Wasserentzug kann man auch betreiben, indem man die Zutaten für seine Outdoorküche trocknet. Das ist einfach, kostengünstig und produziert neben der fantastischen Gewichtsreduktion eine über mehrere Monate haltbare Nahrung. Am besten geht das mit einem Dörrapparat, dessen geringe Anschaffungskosten sich eingedenk der Kosten für hochwertige gefriergetrocknete Nahrung in kürzester Zeit amortisieren.

Outdoorküche Kartoffeln dörren (c) Martin Marktl

Outdoorküche Kartoffeln dörren (c) Martin Marktl

Ich möchte in Zukunft statt Pürreepulver (das ich aber ehrlicherweise eh nie dabeihabe, weil ich es nicht soooo toll finde), richtige Kartoffeln mithaben, um Eintöpfe und dergleichen machen zu können. Kartoffeln enthalten große Mengen Vitamin C und auch äußerst hochwertiges Eiweiß. Und … *trommelwirbel* … nach dem Dörren bleibt der Nährwert der Erdäpfel nahezu unverändert.

Und so geht’s:

  1. Man nimmt am besten gleich soviele Erdäpfel, wie am Dörrapparat Platz haben (ca 1 kg), reinigt sie und entfernt alle Augen (denn dort konzentriert sich das giftige Solanin).
  1. Die Knollen werden gewaschen, geputzt und in dünne Scheiben geschnitten. Je dünner, desto geringer die Dörrzeit, zu dünn soll’s halt auch nicht sein, wenn man bei der Verwertung nicht doch erst wieder Pürree haben will.

Ich habe mich aus Bequemlichkeitsgründen dazu hinreißen lassen, mir unterwegs meine tägliche Dosis Solanin einzuwerfen, und habe die Schalen draufgelassen:

  1. Danach müssen die Radln blanchiert werden. Dazu kommen sie (am besten in einem Nudelsieb oder ähnlichem) für 8 Minuten ins kochende Wasser. Das Wasser kommt danach wie gesagt weg, und die Scheiben für ca. 10 Minuten in eiskaltes Wasser.
  1. Sind die Scheiben abgekühlt, bekommen sie einen weißlichen, leicht durchsichtigen Touch. Sie werden nun etwas abgetrocknet und scheibchenweise auf die Etagen des Dörrautomates geschlichtet. Es versteht sich von selbst, dass überlappende Scheiben keine gute Idee sind. Alles in allem eine schöne, meditative Tätigkeit, die sich hervorragend dazu eignet, sich nebenher eingehend mit Richard Wagner’s Ringzyklus zu befassen.

Mein Dörrautomat hat ein hervorragendes Feature: Er hat EXAKT einen Knopf, nicht mehr und nicht weniger. Alle Überlegungen, mit welcher Temperatur man denn nun fortfahren sollte, sind damit hinfällig.

Wenden ist bei den meisten Dörrgeräten nicht notwendig, da die Luft gut von beiden Seiten dazukommt (Anmerkung: Bei Bananen z.B. ist das anders, da sich diese beim Trocknen nicht vom Rost „wegbiegen“ und daher an den Auflagestellen feucht bleiben). Etwa drei Stunden sollten reichen, bis alles schön trocken ist. Bei einer Eingangsleistung von 250 Watt halten sich die Energiekosten in Grenzen, etwa 10 Cent sind zu veranschlagen.

Fertig! Die Konsistenz ist nun chips-ähnlich, jedoch nur fast. Wer es ganz knusprig haben will, muss die Räder noch ins Backrohr geben, für meine Zwecke ist das aber ganz gut so, denn ich will eh nicht, dass sie bei der leisesten Berührung zerbröseln.

Mahlzeit!

 

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt! 🙂

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 7.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: 2012 gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des 750km langen Alpe-Adria Trails. Er lebt als freier Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

 

 

Wandern & Weitwandern - Kochen am Zeltplatz (c) Martin Marktl

Wandern & Weitwandern – Kochen am Zeltplatz (c) Martin Marktl

Bildinfo:

© Martin Marktl – Kartoffel dörren, Martin Marktl – Kochen am Zeltplatz

3. Juni 2015