Europäischer Fernwanderweg: Pyrenäenweg GR10

Pyrenäen_Weitwanderweg©pixabay

 

Im Überblick:

Es muss nicht immer der Jakobsweg sein

Steckbrief: Pyrenäenweg GR10

Erfahrungsbericht Pyrenäenweg

Buchtipp

Mehr Weit- und Fernwanderwege

Es muss nicht immer der Jakobsweg sein

Der berühmt-berüchtigte Jakobsweg ist seit einigen Jahren bei Weitwanderern sowie Pilgern unglaublich beliebt und dementsprechend sehr gut frequentiert. Ruhe und Erholung wird man am Jakobsweg nur selten finden und die Unterkunftssuche kann sich durchaus auch etwas schwieriger gestalten. Im Nachhinein war der Jakobsweg für die meisten eine schöne Erfahrung, weil man die Möglichkeit hat zu sich selbst zu finden und sich gleichzeitig durch die schönsten europäischen Landschaften bewegt. Aber man ist nur selten alleine, wer aber Ruhe und Abwechslung sucht und auch körperlich fit ist, für den ist der Pyrenäenweg GR10 ein perfekter Weitwandertipp.

Die traumhafte Landschaft der französischen und spanischen Pyrenäen sucht ihresgleichen und zieht die Wanderer in ihren Bann.

Hier finden Sie die wichtigsten Informationen zum Pyrenäenweg GR10 und im Anschluss noch einen detaillierten Erfahrungsbericht zu einer Etappe, von Fuat Gören. Herr Gören war zwei Monate lang an der französisch-spanischen Grenze unterwegs und gibt einen kleinen Einblick in die Wunderwelt der Pyrenäen.

Steckbrief: Pyrenäenweg GR10

Der Pyrenäenweg GR10 (Grand Randonnée 10) ist – neben dem GR20 auf Korsika – einer der bekanntesten Fernwanderwege Frankreichs. Der Fernwanderweg, der auch bei Pilgern sehr beliebt ist, beginnt an der französischen Atlantikküste, genauer gesagt in Hendaye. Man folgt auch über 930 km und unfassbaren 56.000 Höhenmetern der französisch-spanischen Grenze bis nach Banyuls-sur-Mer, an der französischen Mittelmeerküste.

Der Weg durchquert dabei die Pyrénées-Atlantiques, die Pyrénées-Centrales, die Pyrénées-Ariégeoises und die Pyrénées-Orientales. Zu den Highlights des Weges zählen die beschaulichen Dörfer, die idyllischen Täler, die imposanten Grate, die herrliche Gebirgsseen und tiefen Schluchten der Pyrenäen. Man passiert einige der höchsten Gipfel der Pyrenäen und erlebt überwältigende Panoramen und Landschaften, aber auch oft sehr steile und lange Auf- und Abstiege. Wer Ruhe und Abwechslung sucht, der wird hier fündig.

 

©Fuat Gören

Atemberaubende Landschaft am Pyrenäenweg  ©Fuat Gören

 

Start und Ende: Hendaye am Atlantik und Banyuls-sur-Mer am Mittelmeer

Kennzahlen: 930 km Länge, je 56.000 Höhenmeter Auf- und Abstieg

Höchster Punkt: Der 2.734 m hohe Hourquette d’Ossoue direkt am Vignemale, dem mit 3.298 m höchsten Berg der französischen Pyrenäen. Übernachtung in der höchsten bewirtschafteten Hütte der Pyrenäen, dem Refuge de Bayssellance auf 2.651 m Höhe.

Einige Highlights: Die Pilgerstadt Saint-Jean-Pied-de-Port (Jakobsweg), die 180 m hohe Hängebrücke Passerelle d’Holzarté bei Logibar, der Chemin de la Mâture zwischen Etsaut und Gabas, der Cirque de Gavarnie mit der 400 m hohen Grande Cascade, der Lac d’Oô und der Pic du Canigou – der „heilige Berg“ der Katalanen.

Beste Wanderzeit: Mai bis Oktober. An Wochenenden und in der Hauptsaison sollten Sie die Unterkünfte mindestens eine Woche im Voraus buchen.

Gesamtdauer: Je nach Kondition und Etappenaufteilung 45 bis 53 Tage ohne Pausentage

An- und Abreise: Für Anfangs- und Zielpunkt bieten sich An-/Abreise über Bayonne/Biarritz und Perpignan an. Für die abschnittsweise Erkundung des Weges eignen sich Pau, Tarbes, Toulouse und Carcassonne. Am günstigsten ist die Anreise per Fernbus, am schnellsten per Flugzeug.

Internet: www.ffrandonnee.fr (Fédération Française de la Randonnée Pédestre, französischer Wanderverein), www.mongr.fr (Informationen zu GR-Wanderwegen allgemein), www.wandertouren-frankreich.de (Vorschläge und Vorbereitungstipps zu Wanderwegen in Frankreich)

Erfahrungsbericht Pyrenäenweg

von Germ zum Lac d’Oô (Etappe 24) von Fuat Gören 

 

©Fuat Gören

Pyrenäenweg Etappe 24 ©Fuat Gören

Ausgangspunkt – Atlantik

Dies ist die 24. Etappe meiner zweimonatigen Wanderung in den französischen Pyrenäen. Knapp vier Wochen zuvor bin ich in Hendaye am Atlantik gestartet, um den grandiosen Pyrenäenweg GR10 von Anfang Juni – Anfang August 2017 in seiner gesamten Länge bis Banyuls-sur-Mer am Mittelmeer zu wandern.

Das Refuge du Lac d’Oô, Ziel der Etappe, sei eine der schönst gelegenen Berghütten des Pyrenäenwegs GR10, war ich im Vorfeld informiert worden. So neblig wie der Tag beginnt, fürchte ich jedoch, dass die Aussicht am Ziel eingeschränkt sein könnte. Aber in den Bergen ist das lokale Wetter ja immer für Überraschungen gut.

 

Auf gehts

Ich mache mich also vom Gîte d’étape in Germ, der letzten Station des GR10 in den Hautes-Pyrénées, auf den Weg. Es geht zunächst südwärts sanft bergauf. Keine halbe Stunde später lasse ich den Nebel hinter und unter mir. Über der saftig-grünen Hochebene ist es zwar noch bewölkt. Doch hier und da brechen sich Sonnenstrahlen Ihren Weg durch die Wolkendecke und lassen den aus dem Nebel ragenden Gipfel des Pic d’Arrouyette gelb leuchten. Ein Blick zurück zeigt, dass sich der Nebel auch über Germ und dem im Tal liegenden Loudenvielle langsam lichtet.

 

© Fuat Gören

Nebel im Tal Loudenvielle ©Fuat Gören

 

Ich erreiche bald das Val d’Aube und der Weg schwenkt nach Südosten, um weit oberhalb des Ruisseau d’Aube entlang der Hänge des Montagne de l’Ourtiga weiterzuführen. Der Wegrand ist gesäumt von Frucht behangenen Haselnusssträuchern, an deren Blättern Tautropfen das Sonnenlicht reflektieren. Welch ein Paradies für Eichhörnchen, denke ich mir. Während der Weg fast eben verläuft, steigt das Flussbett immer höher, bis sich Weg und Fluss an der kleinen Staumauer auf knapp 1.500 m Höhe treffen.

 

©Fuat Gören

Fluss entlang des GR10 ©Fuat Gören

 

Direkt hinter der Staumauer führt der Weg an ein paar kleinen, hübschen Kaskaden vorbei und steigt nun am Fluss entlang moderat auf. Nach den Kaskaden flacht das Flussbett etwas ab, der Weg schwenkt immer wieder zwischen den trockenen Geröllrändern des Flusses und dem Berghang links hin und her. 

 

Nothütten

Der Weg steigt bald links hoch und verläuft entlang der steilen Hänge hoch über dem Bachbett, dabei jedoch stets dem Bach folgend. Nach einer Weile erreiche ich ein kleines Plateau mit saftig-grünen Wiesen und einer Weggabelung. Am Steilhang vor mir sehe ich weit oben einige winzig kleine, bunte Farbtupfer, die im Schneckentempo den Hang hochkraxeln – die Wanderer, die vor mir losgegangen waren. Der Weg rechts führt über den Ruisseau d’Aube und zur etwa 300 m entfernten Nothütte Cabane d’Ourtiga, die bei Unwetter bis zu sechs Personen Schutz bietet und mit Kamin, Tisch und Bänken ausgestattet ist. Inzwischen hat sich die Wolkendecke erheblich gelichtet und die Sonne scheint, so dass ich nach einer kurzen Snackpause an der Hütte wieder zur Weggabelung zurückkehre, um meinen Weg fortzusetzen.

Der GR10 biegt am Abzweig nach links ab, überquert einen kleineren Bach und führt zum Fuß des Steilhangs. Erst als ich direkt vor dem Steilhang stehe, merke ich, wie steil er wirklich ist! Jetzt heißt es tapfer sein, denn es stehen über 500 Höhenmeter sehr steiler Aufstieg bevor. Der Pfad ist immer noch vom Frühnebel nass und sehr rutschig, was den Aufstieg sehr anstrengend macht. Aber mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht schöner und ich halte oft inne um zu verschnaufen und das spektakuläre Panorama zu genießen. Der Weg steigt südostwärts auf und zweigt bei einer Weggabelung auf etwa halber Höhe nach links ab. Im Südwesten grüßen majestätisch der Pic des Pichadères und der Pic d’Estiouère, im Süden ragt der Pic de Hourgade fast 3.000 m hoch auf.

 

©Fuat Görel

Der Abstieg im Val d´Esquierry ©Fuat Görel

Zauberwald

Nach einem weiter sehr steilen Aufstieg von einer guten halben Stunde erreiche ich den Sattel Couret d’Esquierry. Hier verlässt der GR10 die Hautes-Pyrénées und erreicht die Haute-Garonne.

Nach einer Mittagspause folge ich gestärkt dem nun ostwärts durch das schöne Val d’Esquierry absteigenden Weg. Kurz bevor wir die Waldgrenze wieder erreichen, passieren wir die Hütte Cabane du Val d’Esquierry. Die Hütte ist zwar auf diversen Karten als Nothütte eingezeichnet, Sie sollten sich jedoch nicht darauf verlassen. Bei meiner Passage war sie geschlossen, da sie wohl oft von Hirten benutzt wird.

Nach der Hütte steigt der GR10 steil in Serpentinen nordostwärts durch einen wunderschönen Wald ab, dessen helles Blätterwerk ihn wie einen Zauberwald wirken lässt. Doch Obacht, gerade bei feuchter Witterung kann der Abstieg sehr rutschig sein.

©Fuat Gören

Zauberwald ©Fuat Gören

Im Val d’Astau tritt der Weg aus dem Wald aus, überquert nach einem Bauernhof den Fluss La Neste d’Oô und führt uns auf der Straße D76 südwärts in wenigen Minuten zu ein paar Gebäuden an einem Parkplatz.

Das erste Gebäude ist das gut besuchte Restaurant Le Mailh d’Astau, hinter diesem wiederum steht die Wanderherberge Auberge Les Granges d’Astau. Wir beschließen gut gelaunt, uns auf der Terrasse des Restaurants bei einem Radler und Kuchen zu stärken, bevor wir den Aufstieg Richtung Lac d’Oô in Angriff nehmen.

©Fuat Gören

Restaurant Le Mailh d’Astau ©Fuat Gören

©Fuat Gören

Kurz vor dem Ri Lac d’Oô ©Fuat Gören

 

Danach folge ich dem GR10 südwärts auf einem breiten Schotterpfad in den Wald. Im Wald schwenkt der Weg nach Südwesten und steigt zunächst moderat, bald aber auch in steilen Serpentinen auf. Der felsige, aber schattige und gut zu begehende Waldpfadhrt dabei auch an so mancher interessanten, teilweise gelblich gefärbten Felsformation vorbei.

Etwa einen halben Kilometer vor dem Lac d’Oô flacht der Weg wieder ab und nähert sich dem linken Ufer des vom See abfließenden Bachs La Neste d’Oô. Plötzlich öffnet sich der Wald und gibt den Blick auf einen herrlichen Bergkessel und das Refuge du Lac d’Oô an der Staumauer des Sees frei.

©Fuat Gören

©Fuat Gören

©Fuat Gören

©Fuat Gören

 

Buchtipp 

Neuer Wanderführer über den Pyrenäenweg GR10

Autor: Fuat Gören

Erscheinungstermin: Mai 2018

ISBN: 9783866865754

Umfang: 224 Seiten

Preis:  €16,90

 

©Oliver Laube Fotografie

Autor Fuat Gören ©Oliver Laube Fotografie

©Conrad Stein Verlag

Wanderführer ©Conrad Stein Verlag

Wenn auch Sie einen abwechslungsreichen, aber ruhigen Fernwanderweg suchen, ist der Pyrenäenweg GR10 sehr zu empfehlen. Der Weg kann in einem Stück gewandert werden, oder auch in Teilabschnitten.

Ein Wanderführer mit detaillierter aktueller Routenbeschreibung, Übersichtskarten, Höhenprofilen und GPX- Dateien aller Etappen.

Plus: Zusätzliche Informationen über Unterkunftsmöglichkeiten und benötigtem Kartenmaterial sowie An- und Abreisemöglichkeiten.

 

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26. März 2018