Von irdischen & himmlischen Wegen: Fantastische Wanderkilometer in tieferen Lagen Österreichs.

Weitwandern Vulkanland Jakobsweg Steiermark

Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust! Und wenns einen wettermäßig instabilen Sommer gibt, bewegen wir uns gerne auch in tieferen Lagen Österreichs – innerhalb eines fantastischen Wegenetzwerks, wo vorwiegend die Pilgerwege  in Österreich vorzufinden sind. Was den Vorteil hat, auf himmlische Wanderkilometer zu treffen und das Land von einer ganz anderen Seite kennenzulernen!

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

 

Von irdischen und himmlischen Wegen.

Es ist kurz nach fünf Uhr morgens, und mehrere hundert müde Gesichter sehnen am Bahnhof Wien Meidling den Sonnenaufgang herbei. Eines davon gehört mir. In meiner linken Hand halte ich ein Active Bio Fitness Dinkel-Ciabatta vom Bahnhofsbäcker, das, wie es der Branchenkodex verlangt, nur zu drei Viertel durchgeschnitten ist, sodass der Active Bio Fitness Schinken auf einer Seite rausquillt, dass es nur so eine Freud‘ ist!

Gerade hat mir der Hallenautomat ein Ticket für den Railjet ausgespuckt, von dem ich mir erhoffe, dass er mich in zwei Stunden in die Grazer Hausberge bringt. Gerüchten zufolge fristet nämlich dort eine – sogar unter gestandenen Steirern nahezu unbekannte – Wanderstrecke ihr Schattendasein, nämlich die Umrundung des Bezirkes Graz-Umgebung. Die Tour soll angeblich so sagenhaft schön sein, dass sie jeder Mitteleuropäer zumindest einmal im Leben abgewandert haben soll.

Bittet man allerdings das allwissende Internet zum „GUW“ (so die Kurzform des ‚Grazer Umland Weges‘) um seine Meinung zur Popularität des Weges, darf man sich nicht allzu viel erhoffen. Gerade einmal eine Handvoll Treffer können mit dieser Bezeichnung überhaupt etwas anfangen, darüber hinaus führt Link Nummer Acht nicht in den Vorgarten von Graz, sondern bereits zum Flughafen Atyrau in Kasachstan. Aber so ist das nun mal mit Google. Wenn Du einmal gerade keine nackte US Schauspielerin zur Hand hast, die dabei hilft, die Suchergebnisse umzusortieren, gehört Dir maximal der geheimste, versteckteste Ort auf dieser Erde: Die Seite 2 der Google-Trefferliste.

Was mich zu den ostösterreichischen Voralpen bringt, die in den Wanderbüchern meist ebenfalls im Schatten ihrer populären, weil deutlich höheren Nachbarn am Alpenhauptkamm stehen. Damit teilen sie sich ein Schicksal mit allen anderen Regionen Österreichs, deren Vorzeigeberge nicht über die Höhe der Birke daneben hinauskommen: Sie bekommen erst dann ihre 15 minutes of fame, wenn die Fensterläden der alpinen Schutzhütten schön langsam wieder weitaus weniger sonnenverfärbte Rückseite zeigen.

Heuer war das ein bisserl anders. Da der Sommer 2014 auf 2015 offenbar ins nächste Jahr verschoben wird, waren Ausflüge in hochalpine Regionen heuer weit weniger populär als im Traumsommer 2013. Vielleicht ist das ja auch nur mein persönliches Empfinden, da es auch mich heuer nicht mit aller Gewalt in die Hochalpen gezogen hat, weil es im Mittelgebirge auch ganz nett war.

Und dieses Mittelgebirge ist der Plafond eines Weitwandernetzes, welches wir seit kurzem auch hier auf unserer Seite näher vorstellen dürfen: Die österreichischen Pilgerwege, allen voran der heimische Anteil am Jakobsweg. Pilgerwege – so will es die Natur der Sache – verbinden nicht Berg-, sondern Kirchturmspitzen. Pilger fühlen sich im Tal dem Himmel näher.

Und: Um in sich zu gehen, gehen Pilger nach draußen. Was selbst für Wanderer & Weitwanderer ohne spirituelle Hintergedanken den Vorteil hat, die Buß- und Betwege auch außerhalb der Hauptsaison benützen zu können. Dazu kommen jene Regionen Österreichs, die auch ohne hohe Berge ganz gut zurechtkommen, wie beispielsweise das Waldviertel, die Südsteiermark oder Weite Teile Niederösterreichs, die allesamt ebenfalls sehr gut vernetzt sind (ich durfte – beispielgebend – an anderer Stelle bereits die Mariazeller Wege vor den Vorhang holen).

Es ist also alles halb so wild. Österreich hat eine Fantastilliarde Wanderkilometer, und wenn es heuer nichts mit der Glocknerwand wird, dann halt nächstes Jahr.

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

Weitwandern Vulkanland Jakobsweg Steiermark (c) Bild: Martin Marktl

Weitwandern Vulkanland Jakobsweg Steiermark (c) Bild: Martin Marktl

 

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Und HIER gehts zum virtuellen Österreichischen Jakobsweg!

(c) Beitragsbild: Martin Marktl – Weitwandern Vulkanland Südsteiermark – am Jakobsweg.

 

 

 

24. September 2014