10 preiswerte Dinge, die einen Rucksack schlank & das Weitwander-Leben leichter machen.

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Wie mir der viel und weit gereiste Jakob unlängst bei einem Bier bestätigt hat: Das mit Abstand beliebteste Thema unter fachsimpelnden Weitwanderern (vor allem unter Männern) ist der Rucksackinhalt, und wie man an dem einen oder anderen Gramm noch feilen könnte. Doch an vielen Dingen, die auf die Reise mitkommen, lässt sich nicht rütteln: Sie wiegen nun einmal, was sie wiegen, und man kann sich allenfalls ganz generell für oder gegen die Mitnahme entscheiden.

 Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl

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10 preiswerte Tipps für schlanke Rucksäcke

Mein Rucksackgewicht inklusive allem Lebensnotwendigen beträgt bei Touren jenseits der 100km-Marke je nach Jahreszeit zwischen 12 und 19 Kilo. Die großen Brocken, die die Waage in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen, sind (in absteigender Reihenfolge): Das Zelt samt Schlafgemach, die Menge an benötigtem Trinkwasser, der Kocher, fallweise ein Tablet, und die Wetterbekleidung. Allerdings gibt es umgekehrt viele Dinge, die so gut wie nichts wiegen, einem das Leben unterwegs aber deutlich vereinfachen können. Der heutige Artikel widmet sich diesen Leichtgewichten.

 MartinMarktl_Packliste zum Anschauen

Packliste zum Anschauen

Meine persönlichen Top Ten

10. Duct Tape

Das sind die Klebebänder, die sich ganz einfach von der Rolle abreißen lassen, doch dann in der Anwendung bombenfest halten. Wenn amerikanische Soldiers damit ihre Gewehre reparieren können, dann stellt auch eine gebrochene Zeltstange kein allzu großes Problem mehr dar. Leider gibt es die Dinger nur in Haushalts-, und nicht in Rucksackmengen: Ein sinnvolles Preis-/Leistungsverhältnis gibt es erst ab einer Abnahmemenge von 50 Metern. Doch wer braucht unterwegs schon 50 Meter Klebestreifen mit einem Lebendgewicht von 850 Gramm im Rucksack? Die Lösung: Einfach 2×2 Meter um den oberen Bereich der Wanderstöcke (unterm Griff) drumherum wickeln – reicht für kleine Pannen und macht jeden Stock nur um nicht erwähnenswerte 30 Gramm schwerer.

09. Zündhilfen

Ein altes Landstreichergesetz besagt, dass sich feine Zeltplätze und trockenes Brennmaterial nie am selben Platz befinden. Laut den verschiedensten Survivalexperten dieser Erde helfen Gräser oder Flechten beim Anfachen des Feuers. Ich glaube, dass sie zumindest nicht schaden – doch für ein ordentliches Feuer braucht man seeehr viele Gräser und Flechten. In den Outdoor-Ratgebern werden zahlreiche andere Anzünder empfohlen – der Bogen spannt sich da von Tampons über (Auto-)batterien (!) weiter zur berühmten Stock-Schnur-Kombi und endet noch lange nicht bei den 16.200 Google-Treffern zum Thema „Feuer machen mit Birkenrinde“. Weniger romantisch, doch genauso gut: Ein ganz normales Stück Grillkohleanzünder aus dem Rucksack.

08. Gewürze

Salz, Pfeffer, Ketchup, Senf, Mayonnaise, Zucker. Die Portionspackungen gibt’s leider nicht in Haushaltsmengen, aber jedes zweite Gasthaus hat sie – preislich wird man sich für so eine Handvoll Packerl schon einig werden.

07. Waschzeug

Zahnpasta, Duschgel, Sonnencreme, Nivea etc. – gibt’s im Drogeriemarkt bei der Kassa in 1-Euro-Probegrößen.

06. Futuristische Stoffe

Handtücher aus Mikrofaser sind leichter, platzsparend verstaubar und trocknen schneller als gewöhnliche Handtücher. Doch kein Vorteil ohne Nachteil: Sie kosten das vierfache, und die Saugleistung ist auch nicht soooo toll. Dasselbe gilt übrigens auch für sämtliche Arten von Fleecebekleidung. Fleece ist unglaublich leicht, warm, angenehm zu tragen und trocknet schneller als Du “Platzregen” sagen kannst.

05. Faltgeschirr

Für Tee, Müsli, Wasser oder Suppe verwendbar ist der Sea to Summit Faltbecher. Mit 60 Gramm kein großer Brocken (–> ich habe es abgewogen, die 78 Gramm auf der Herstellerseite sind wohl inklusive Porto). Wer regelmäßig bei Quellen und Bächen Halt macht, erspart sich mit dem Becher zumindest bis zum Frühsommer in Österreich die Mitnahme großer Wasservorräte. Der Faltbecher passt in die Hosentasche und daher find ich ihn auch praktischer als jede andere Variante, die mehr oder weniger locker am Rucksack hängt.

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Ruhetag auf der Naggleralm … doch ein Bett war noch frei!

04. Trinkgewohnheiten

Eine aus gewichtstechnischer Hinsicht eher unnötige Erfindung ist der Flachmann (auch wenn er auf der Naggleralm – siehe oben links vom Kocher – mit dabei war …). Die gängige Ausführung in Edelstahl wiegt schon als a Leerer 20 dag. Bei einer eintägigen Gipfeltour mag das vielleicht noch durchgehen, weil der Rucksack in der Regel mit allem Drumherum unter der Wahrnehmungsgrenze (< 10 kg) bleibt. Bei mehrwöchigen Touren grenzt die Mitnahme hingegen an pure Dekadenz, zumal das Fassungsvermögen (200 ml) im Gegensatz zum Inhalt alles andere als berauschend ist. Wenn man (wie ich 😉 ) an kühlen Abenden den Schnaps im Gutenachttee nicht missen möchte, ist trotzdem eine kleine Plastikflasche g’scheider – wenn man damit leben kann, dass die Ästhetik flöten geht.

03. Ordentliche Buchführung

Das Einmaleins jeder Ernährungsdiät gilt nicht nur für den Ranzen, den man vor sich trägt, sondern auch für den am Rücken: Während man bei Ersterem eine gute Übersicht über die eigenen Laster benötigt, ist bei der Reduktion des Rucksackgewichts der Überblick über die eigenen Lasten unabdingbar. Dabei hilft ein simples Excelsheet mit Summenfunktion (meines ist hier frei zugänglich).

02. Trockenfutter

Im vorletzten Gewichtstipp steckt mengenmäßig wohl das größte Potential: So gut wie jedem Essen kann man das Gewicht entziehen, indem man es vorab trocknet (zB Dörrobst fürs Müsli, Studentenfutter, Zwiebelringe, Gewürze …) bzw. in seiner dehydrierten Form mitnimmt (Kaffee-/Milchpulver). Gänzlich ungeeignet ist daher jegliches Dosenfutter. Solange es unterwegs genügend Wasser gibt, lässt sich der Rucksack spürbar abspecken. Mehr zum Thema Rucksackdiät habe ich hier zusammengetragen.

Und Platz 1 geht an … *trommelwirbel* …

01. Ohropax.

Den kleinen Stoppeln gehört aufgrund ihrer friedensstiftenden Wirkung schon längst der Nobelpreis zugesprochen. Sie führen auch die “Gewicht-zu-Nutzen”-Wertung an.

Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass sich so gut wie jedes Utensil im Rucksack bei Einwurf von genügend Geld gegen ein leichteres Exponat austauschen lässt. Besonders bei Schlafsack und Zelt ist in erster Linie das Gewicht der Preistreiber. Wer seine ganze Ausrüstung auf Leichtgewicht auslegt, kann über den Daumen 20 bis 30 Prozent an Gewicht einsparen. In meinem Fall wären das 6 Kilo. Womit sich die Sinnfrage stellt, ob es nicht g‘scheiter wäre, ein paar Kilo abzuspecken. Dem Berg ist es schlussendlich wurscht, ob das Gewicht, das man raufschleppt, am Körper oder am Rücken ist.

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Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

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Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

MartinMarktl_Grosser_Rucksack-1Beitragsbild: © Martin Marktl – Mit großem Rucksack am Millstätter See Höhensteig unterwegs.

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20. April 2015