Vor 200 Jahren im Salzburger Saalachtal. Eine Wanderung in die Vergangenheit.

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Begleiten Sie mich heute auf eine Reise ins Salzburger Land des 19. Jahrhunderts. Was hätte ein Wanderer wohl vorgefunden, wenn er damals – nehmen wir an, vor genau 200 Jahren – aufgebrochen wäre, um den Saalachtalweg zu erkunden? Also jenen Weg, der ihn mitten in die bäuerliche Kulturlandschaft des nördlichen Alpenkammes führt?

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

                           
 

Ohne Rauch geht’s auch

Beginnen wir mit Anreise und Unterkunft: Heutzutage ist es nicht schwer, die Gegend rund um Lofer zu erreichen, ist sie doch den meisten Fernreisenden als „Kleines Deutsches Eck“ bestens bekannt. Auch damals war das Saalachtal nicht schwer zu finden, denn es war seit jeher eine wichtige Straßenstation des Salzburger Erzbistums, dessen berittene Kuriere hier Station machten, um sich zu laben, die Nacht zu verbringen oder einfach nur um die Pferde zu wechseln. Viele Menschen erreichten Lofer auch zu Fuß, es lag am Kreuzungspunkt wichtiger Verkehrswege lag. Mit ein bisserl Weitwandern konnte man damals nicht viel Eindruck schinden, war es doch gerade erst zwei Jahre her, dass es einem jungen Korsen gelang, 450.000 Franzosen für einen Fußmarsch nach Moskau zu begeistern.

Vor zwei Jahrhunderten fanden die Leute das Ansinnen, ihre spärliche Freizeit anderswo als daheim zu verbringen, völlig absurd. Niemand fuhr damals „in den Urlaub“, abgesehen davon, dass es noch nicht viel gab, womit man „fahren“ hätte können. Bis der Österreicher seine erste (Pferde-) Eisenbahn zu sehen bekommt, sollte noch ein Jahrzehnt ins Land ziehen. Es gab daher für die Saalachtaler keinen einleuchtenden Grund, auf erholungssuchende Sommerfrischler zu hoffen. Wohl gab es einzelne Säumerstuben, in denen sich die Wein- und Salzfrächter um einen Ofen auf den Boden legen konnten, doch Herbergen, wie wir sie uns heute vorstellen, gab es kaum. Daher kam es nicht selten vor, dass Reisende bei den Bauernhäusern am Weg anklopften, und den Hausherren um Erlaubnis baten, die Nacht am Heuboden verbringen zu dürfen.

Vielleicht wurde dem Reisenden auch angetragen, gemeinsam mit den Bauersleuten und den Dienstboten das Abendmahl einzunehmen. Dazu traf man sich nach getaner Arbeit in der Rauchkuchl. Dort spielte sich das Leben ab, war es doch meist der einzige geheizte Raum im Haus. Hier spannen die Frauen ihr Garn und reparierten die Männer ihr Werkzeug. Nur wenig Licht drang durch die winzigen Fenster in die rabenschwarze Stube. Unter den Sitzbänken hielt man Hühner, und unter der Decke hing der Räucherspeck. In einer Ecke kochte die Bauersfrau auf einer aus Lehm gefertigten offenen Feuerstelle. Über der Flamme hing ein großer, rußiger Kessel, in dem die Abendkost für alle zubereitet wurde. Der Herr und sein G’scher – und natürlich auch der Gast – bekamen dieselbe Kost und aßen aus einer gemeinsamen, großen Schüssel. An einem gewöhnlichen Werktag war es wohl ein Getreidebrei mit viel Schmalz. Vielleicht gab es auch Kartoffeln. Doch eher nicht, denn diese „Erdäpfel“ waren in Österreichs versteckten Tälern vor zweihundert Jahren noch weitestgehend unbekannt.

Am Saalachtalweg selbst kann man unterwegs dem Alltag vergangener Tage nachspüren. Ob das nun auf den Loferer Almböden ist, wo seit vielen Jahrhunderten jedes Jahr rund um den Veitstag (Mitte Juni) die Sennerinnen mit den Kühen in den Almsommer gehen, oder in der Seisenbergklamm, wo einst die Holzfäller dicke Baumstämme durch den engen Keil flößten, um sie zu den Berchtesgadner Salinen zu schwemmen, wo das Holz zur Salzgewinnung gebraucht wurde.

Damals, im Jahre 1814 konnte man sich das Saalachtal in seiner ganzen Länge ansehen, indem man sich auf einen Baumstamm setzte und sich einfach treiben ließ. In der Klamm wäre das keine so gute Idee – doch durch die abenteuerliche Schlucht gibt es seit 1831 glücklicherweise einen aussichtsreichen Steig.

Sich einfach treiben lassen geht am gemütlichen Saalachtalweg jedoch auch heute noch – ganz ohne Baumstamm.

 

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

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HIER gehts zur virtuellen Wanderung auf dem Saalachtalweg – Der Route der Klammen

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Text: Martin Marktl
Beitragsbilder: (c) TVB Salzburger Saalachtal

 

12. April 2014