Wahl der Qual? Qual der Wahl! – Der Paradiesapfel „Seilbahn“

(c) Martin Marktl - Staff, Eckwand, Weitwandern

Hoch hinauf oder tief hinunter? Profi-Weitwanderer Martin und sein „Verhältnis“ zu Seilbahnen.

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

 

Wahl der Qual? Qual der Wahl!

Für die Gottesanbeter unter uns ist es die listige Schlange mit ihrem Paradiesapfel. Oder, etwas profaner: Eine Pizza con Tutto mit Weinbegleitung mitten in der Fastenzeit. Für den Bergmenschen hingegen kommt die ultimative Versuchung in einer ganz anderen Form daher: Hängend, im Winter manchmal auch schleppend, unter Umständen herab lassend, doch immer ein wenig von oben herab: die Seilbahn.

Die Gondel ist die verbotene Frucht des Weitwanderers. An der Fahrt mit der Aufstiegshilfe klebt das Etikett des Schwächlings, Aufgebers, Weicheis. „Wer so etwas braucht, möge die Wanderei doch am besten gleich bleiben lassen“, rümpfen Menschen mit Forstweg-gestählten Wadeln verächtlich die Nase. Und in den Erlebnisberichten daheim kommt die Liftfahrt ohnehin nie vor. Dort verhält sich die Sache ähnlich wie wenn sich man sich spektakulär verrennt: Sowas wird besser ausgespart.

Deshalb wird es allerhöchste Zeit, den Ruf der Seilbahn ins rechte Licht zu rücken!

Machen wir einen kurzen Ausflug an den Millstätter See in Kärnten. Hier gibt es einen Weitwanderweg, dem man beinahe partnerschaftstherapeutische Wirkung nachsagen kann. Denn der Millstätter See Höhensteig ist einer der wenigen Weitwanderwege, der sich auch in die familiäre Urlaubsplanung einbauen lässt, selbst wenn die Vorstellungen vom Traumurlaub unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine will sieben Tage lang keine tausend Schritte tun und denkt beim Schlagwort Weitwandern maximal an den Weg von der Liegewiese zum Eisstand. Der andere aber möchte am liebsten jeden Tag über die Baumgrenze hinaus. Sowas soll es ja in den besten Familien geben. Am Höhensteig ist getrenntes Programm kein Problem, denn die Etappen lassen sich von einem gemeinsamen Basislager am See aus erschließen, da sie in einer einwöchigen Runde über die Gebirgszüge der Nockberge einmal um den See herum verlaufen. Und ein Wandertaxi die Etappenstart- und Endpunkte anfährt.

Apropos Runde: An der Etappe 6 schließt sich auch der Kreis zu unserem heutigen Thema. Denn spätestens an der Talstation der Goldeckbahn stellt sich die Frage: Gondel oder Waldweg? An diesem Tag gilt es, der Höhendifferenz zwischen Spittal an der Drau und dem Markenzeichen des Berges, dem imposanten, rot-weiß-roten Sendeturm am Gipfel zu Leibe zu rücken. Und da geht’s immerhin um satte 1.600 Höhenmeter. Hier steht man also nun, an der einzigen Seilbahnstation auf der gesamten 200 Kilometer langen Strecke. Es ist übrigens auch eine der ganz seltenen Seilbahnen am 3.000 Kilometer langen E10, der einen bei Bedarf zu Fuß vom Norden Finnlands nach Südeuropa bringt.

So eine Mitfahrgelegenheit sollte man sich, wie ich meine, nicht entgehen lassen. Nicht wegen der ersparten Höhenmeter, nein. Denn der Aufstieg auf der Nordseite ist schon bald sehr aussichtsreich – immerhin liegen die gesamten Nockberge sowie die Kette der Hohen und Niederen Tauern gleich vis-a-vis. Der Hauptgrund, weswegen man so eine Seilbahngelegenheit – wurscht wo – immer prüfen sollte, ist eher die Frage:

„Was könnte ich mit der gewonnenen Zeit denn alles anstellen?“

Und im Fall des Goldecks wartet oben am Berg ein – selbst unter Kärntnern eher weniger bekannter – Geheimtipp, nämlich die Halbtagesrunde durch die Latschurgruppe zur Gusenalm. Bei aller Liebe zum Aufstieg am Goldeck-Nordhang: Gegen diese fantastische Plateauwanderung zieht sie den Kürzeren. Und wer ein schlechtes Gewissen wegen der nicht verbrauchten Kalorien hat, kann den Ausflug zu einer Tagestour aufblasen, und an diesem einen Tag vier Gipfel erobern. Das Foto zeigt übrigens zwei davon, die Eckwand (mit Liegewiese) und den Staff (rechts), beide etwas über 2.200 Meter hoch. Der Staff, der noch auf der Gusenalm unbezwingbar aussieht, ist bei näherer Betrachtung ein ganz Netter.

Die Seilbahnfahrerei hat als mitunter nichts mit Müßiggang zu tun – das geht am Tag nach der Tour am Millstätter See eh‘ viel besser.

Es geht ums Rosinen picken.

Denn Weitwanderer müssen ihre Kräfte einteilen – und meist auch ihre Urlaubstage. Und bei beidem kann eine Seilbahn gute Dienste leisten. Und das ganz ohne Schlange.

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

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Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

(c) Martin Marktl - Faulsein auf der Eckwand

(c) Martin Marktl – Faulsein auf der Eckwand

 

Bildinfo & Text: (c) Martin Marktl – Faulsein auf der Eckwand

 

 

25. März 2015