Vom Runterkommen beim Obenbleiben… Eine un-elektrische Hüttentour am Alpe Adria Trail.

Weitwandern – Die Zunderwände beim Nassbodensee, Alpe-Adria-Trail © Martin Marktl

Martin ist entlang des Alpe-Adria-Trails unterwegs. Genau gesagt auf den Etappen 15 und 16 – den Kärntner Nockbergen. Und er versucht es auf die „altmodische“ Art – nämlich ganz un-elektrisch. Der Druck auf eine kleine Taste am Smartphone macht’s möglich… Nebenbei bemerkt – ein herrlicher Abschnitt des Alpe-Adria-Trails!

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

 

Vom Runterkommen beim Obenbleiben

Eine ganz und gar un-elektrische Hüttentour am Alpe Adria Trail

Unlängst erzählte mir jemand, dass es in einer entlegenen Ecke der Steiermark einen Fleck gäbe, in dem man auch heute noch überhaupt keinen Mobilfunkempfang hat. Ein neu errichteter Windpark sorgt mit riesigen Rotorblättern dafür, dass sämtliche Funksignale gewissermaßen in den Häcksler kommen und daher an drahtlose Kommunikation nicht zu denken sei. „Ein selten gewordener Ort der Ruhe“, seufzte mein Gesprächspartner voller Wehmut, „wo nie das Handy läutet und keine Facebook-Nachricht die Ruhe stört“.

Die Kärntner Nockberge sind auch so ein Gebiet, doch da lässt sich diese Ruhe sogar erleben, ohne dass man sich unter ein Windrad stellen muss: Auf einer Gesamtfläche von fast 1000 Quadratkilometern hat man dort rund um die Uhr die Möglichkeit zu wählen, ob man Mobilfunkempfang möchte – oder eben nicht. Der Druck auf eine kleine Taste am Smartphone macht’s möglich – und im gesamten Biosphärenpark herrscht plötzlich Ruhe. Es ist immer wieder erstaunlich, wozu die heutige Technik in der Lage ist! Dabei ist dieses versteckte Feature auf allen gängigen Mobiltelefonen vorinstalliert – freilich, ohne dass wir davon wissen: Auf Knopfdruck lässt sich ganz ungestört eine der größten bergbäuerlichen Kulturlandschaften des Alpenraumes erkunden, ohne auch nur einmal vom üblichen Smalltalk der Außenwelt gestört zu werden.

Ohnehin handelt es sich beim Nockgebiet um eine ganz besondere Gegend. Angeblich besteht es nur aus gar nicht so schwierig zu erstürmenden Gipfeln, kristallklaren Bergseen und weitläufigen Almwiesen. Das musste ich natürlich selbst gesehen haben. So ließ ich mich eines Tages mit dem Wanderbus ins Langalmtal bringen. Und das hält, was sein Name verspricht: Ein langer Einschnitt, der entlang eines schattigen Bergbaches vom Tal auf mehrere Almen führt. Ganz oben thront das Erlacherhaus, die erste Berghütte am Weg und Startpunkt meiner Offline-Erkundungstour. Hier drückte ich den magischen Knopf. Erstaunlicherweise legte ich damit offenbar nicht nur das Funknetz des gesamten Langalmtals in den Schlaf, sondern auch mein Smartphone, welches schlagartig in eine seltsame Form der Meditation verfiel. Ohne zu blinken lag es nun regungslos in meiner Hand. Der Startbildschirm, der mir üblicherweise das Wetter an Meinem Ort anzeigt, blieb dunkel. Das machte aber gar nichts, denn hier, wenige Höhenmeter über der Erlacherhütte, brauchte ich einfach nur in den Himmel zu sehen, und sah plötzlich, wie das Wetter an Meinem Ort war. Und das ganz ohne Positionsbestimmung – wie machen die das bloß?

So ging es den ganzen Tag weiter. Ich war ganz schön müde, als ich meine selbst gewählte Fleißaufgabe des Tages erfüllt hatte, nämlich den Aufstieg auf den Rosennock, seines Zeichens höchster Gipfel der Nockberge. Mit seinen 2440 m Höhe ragt er hoch über dem Nassbodensee in den Himmel. Und so hieß es zuerst mal, fast 800 Höhenmeter hinauf zu keuchen. Oben am Gipfel stellte sich ein neues Gefühl ein: Ganz ohne My Health, einem kleinen Programm, das üblicherweise über meinen Biorhythmus wachte, hatte ich plötzlich das Gefühl, soeben auf einen Berg gestiegen zu sein. Fantastisch!

Etwas anderes ist mir auch aufgefallen: Genau entlang jener Linie, wo laut meiner Touren-App der Alpe Adria Trail entlangläuft, finden sich immer wieder rot-weiß-rote Markierungen und hübsche Wegweiser, sodass man meinen möchte, die Biosphären-Ranger hätten es geschafft, den GPS Track dieser Etappe in die Natur zu übertragen. Daher musste ich auch hier das Gerät nicht aufdrehen, und brauchte einfach nur diesen Zeichen entlangzuwandern.

Finde ich eigentlich alles ganz praktisch.

Auf der Terrasse des Falkerthauses, wo ich mich – übrigens ganz ohne TripAdvisor – so wohlfühlte, dass ich beschloss, hier mein Nachtlager aufzuschlagen und den Tag mit einem Krug Most und einer Brett’ljause ausklingen zu lassen, drehte ich das Mobilfunknetz wieder auf und ließ meine Liebste daheim wissen, dass sie sich keine Sorgen machen müsse. Denn kleine Gesten wie diese ersparen einem beim Heimkommen nach der Tour das erhobene Nudelholz. So gesehen war ich wieder froh, dass ich das Handy, sollte tatsächlich Gefahr für Leib und Leben bestehen, doch nutzen kann.

 

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

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Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

 

Weitwandern – Die Zunderwände beim Nassbodensee, Alpe-Adria-Trail © Martin Marktl

Weitwandern – Die Zunderwände beim Nassbodensee, Alpe-Adria-Trail © Martin Marktl

 

Bildinfo:

© Martin Marktl – Die Zunderwände beim Nassbodensee, Alpe-Adria-Trail

14. Juli 2014