Weitwandern auf der Via Natura. (Na-)tour der „feinen englischen Art“…

Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen, (c) Bild: Martin Marktl

Der Urlaub – so will es die landläufige Definition – ist die Auszeit vom Alltäglichen, der Wegfall aller Verpflichtungen, und damit die Freiheit, zu tun und zu lassen, was man eben gerade will. Dazu kommen noch eine möglichst eindrucksvolle Landschaft, das gute Essen und der Flirt an der Bar. Doch um derlei Dinge soll es heute gar nicht gehen. Sondern um Stress, und wie man ihn am besten gleich gar nicht in seine Nähe lässt.

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

 

Wie ein offenes Buch

Es ist interessant, wie oft manch einer gerade in der Urlaubsvorbereitung in die Falle tappt, und sich um die Ungezwungenheit des Urlaubs bringt. Klar, man will die Tage in der Ferne möglichst gut nutzen, und nimmt sich dazu den Reiseführer zur Hand, um die „Müssen-Sie-Gesehen-Haben“ Liste zu verinnerlichen. Doch Vorsicht – ganz nebenbei und fast unmerklich geht sie verloren, die eingangs erwähnte Freiheit. Eine Sehenswürdigkeit ist letztendlich das, „was man gesehen haben muss“, mit der Pflicht, Sehenswürdigkeiten zu besuchen“, schreibt Gernot Heiss. Und das war’s dann von wegen: Ich tue, was ich will. Man folgt einem Wunsch, den man für individuell hält, doch gleichzeitig mit Tausenden anderen teilt.

Das kann – und soll! – einem auf der Via Natura nicht passieren. Der 125 Kilometer lange Rundwanderweg im Naturpark Grebenzen bittet seine Besucher nämlich bereits im Vorfeld, genau das nicht zu tun: Sich gedanklich einzuschränken. Vielmehr fordert er dazu auf, sich unvorbereitet, oder besser: unvoreingenommen der Natur zu stellen, anstatt sich in grauer Theorie zu verlieren. Der Reiseführer ist die Natur selbst – inmitten einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft. Und Kultur steht hier sowohl für ihre landschaftliche, sakrale als auch volkstümliche Ausprägung.

Themenwege räumen mit der „Das-müssen-Sie-tun!“ Denkweise konsequent und gründlich auf. Weder geht es um den höchsten Gipfel, noch um die weitesten Tageskilometer. Seit die Franzosen Autos bauen, wo die ö-Punkterl aufs „e“ gehören, wissen wir: Der Weg ist das Ziel – und der Leitspruch Konfuzius‘ ist nirgends so passend wie auf einem sorgfältig ausgeklügelten Natur- und Kulturlehrpfad. Wenn die Wanderbeschreibung eines Lehrpfades darum bittet, die Augen aufzumachen, dann in der Regel nicht, weil man sonst Gefahr läuft, in den nächsten Abgrund zu stürzen, sondern weil einem auf einem Themenweg das geboten wird, was man sich von einer erforschenswerten (Na-)tour erwartet.

Egal, ob man nun Wälder, Dörfer, Felder oder Wiesen durchstreift. Meist gibt es etwas zu sehen, und – dafür sorgen zahlreiche Informationen am Weg – zu entdecken. Man erfährt, wie die Bauernhöfe zu ihren Namen kamen, was es mit dem Wilden Loch auf sich hat, welche Spuren der Murtalgletscher in der Landschaft hinterließ und welche Kräuter ein kurzes, schmerzloses Dahinscheiden versprechen. Die Kirchenmauern am Weg tragen das Gütesiegel des erfolgreich abgewehrten Türkensturms, und die über dem Talboden wachenden Burgmauern erzählen von jener Zeit, als eine der wichtigsten Handelsrouten Kontinentaleuropas durch Neumarkt verlief. Und das „Klappern am rauschenden Bach“ lässt erahnen, wie der Ort Mühlen zu seinem Namen kam.

Und doch sind es oft die vermeintlich „kleinen“ Dinge, die im Mittelpunkt stehen.

Die Forelle, die es schafft, ohne große Kraftanstrengung im Strom der Gebirgsbäche zu „stehen“. Der Tannenzapfen, der bei passendem Wetter – ganz ohne Muskelkraft – seine schuppigen Blütenblätter öffnet, und damit seine Samen zum Flug freigibt. Oder der Feuerbach in der Ortsmitte, dessen wichtigste Aufgabe es war, dank seiner gleichbleibenden, verlässlichen Schüttung bei Bränden als Löschmittel zur Verfügung zu stehen. Wer fünf oder sechs Tage Zeit hat, kann die Grebenzen-Tour völlig stressfrei absolvieren, und hat unterwegs auch genügend Zeit, der Aufforderung, in der Natur zu lesen, nachzukommen.

Der Vergleich ist vielleicht ein wenig weit hergeholt, doch ich bringe ihn trotzdem: Ein gut gemachter Kulturwanderweg ist so etwas wie der Ärmelkanal, der Frankreich von England trennt. Die Franzosen sagen „travail“, und meinen damit: arbeiten. Die Briten sagen im Grunde dasselbe, „travel“, doch meinen sie damit: reisen.

Lassen Sie uns doch den Urlaub heuer auf die feine englische Art verbringen.

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

 Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen, (c) Bild: Martin Marktl

Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen, (c) Bild: Martin Marktl

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Bildinfo & Text:
© Martin Marktl – Maria Schönanger – Mountainbike-Rundtour 2013

 

 

24. November 2014