Die geheimste aller geheimen Almen… Weitwandern am Salzburger Almenweg.

Weitwandern Salzburger Almenweg (c) Martin Marktl - Hoch hinaus.

Eine der schönsten, typisch österreichischen Alpintouren führt von der Franz-Fischer-Hütte auf die kleine, völlig unbekannte Rastötzenalm in der Westflanke des Gamskarkogels. Wir befinden uns in Salzburger Pongau inmitten der Niederen Tauern. Weitwandern-Experte Martin verrät uns seinen Geheimtipp entlang des  Salzburger Almenwegs.

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.


Federkern? Immer doch – gern!

Eine der schönsten, typisch österreichischen Alpintouren, an die ich sehr gerne zurückdenke, führte mich an einem der letzten wirklich schönen Sommertage von der Franz-Fischer-Hütte auf die kleine, der Mehrheit der Weltbevölkerung völlig unbekannte Rastötzenalm in der Westflanke des Gamskarkogels. Wir befinden uns im Salzburger Pongau inmitten der (gar nicht so) Niederen Tauern. Rund 30 Kilometer galt es an diesem Tag abzuspulen. Die Namen der markantesten Wegpunkte enden hier in dieser Gegend meist auf –törl oder –scharte. Es war also klar, dass zur Weglänge noch der eine oder andere Höhenmeter dazukommen würde.

Zeitig aufbrechen! – lautete die Devise. Denn der Tag würde nicht nur lang, sondern auch hochsommerlich heiß werden. Die normalerweise auf der Fischerhütte frei herumlaufenden Schweine und Hühner waren bereits in ihrem Koben. Dem zum Wecker umfunktionierten GPS-Gerät fiel die Aufgabe zu, mich um 04:30 Uhr über den bevorstehenden Tagesanbruch zu informieren. Eine höchst unruhige Nacht ging dann auch um diese Uhrzeit glücklicherweise zu Ende. Denn die „alte“ Franz-Fischer-Hütte war äußerst hellhörig, sodass es einer am anderen Ende der Hütte ruhenden Wanderseele nicht schwer fiel, mich durch drei (!) Zwischenwände hindurch ohne Unterbrechung über ihren schwerfälligen Atemrhythmus am Laufenden zu halten.

Mit den ersten Sonnenstrahlen erreichte ich bereits am frühen Morgen die Tappenkarseehütte, wo man mir mit einem heißen Häferlkaffee einen königlichen Empfang bereitete. Solchermaßen motiviert, wurde der zweite Aufstieg des Tages – die rund 300 m hinauf auf den Berggrat, der den Tappenkarseeboden vom Großarltal trennt, kein Problem. Pünktlich zum Mittagessen erreichte ich nach etwa 16 Kilometern das Bergsteigerdorf Hüttschlag, wo man mir in einem schattigen Gastgarten ein Wiener Schnitzel ans Herz legte.

Weitwandern am Salzburger Almenweg - Tappenkarsee (c) SalzburgerLand Tourismus

Weitwandern am Salzburger Almenweg – Tappenkarsee (c) SalzburgerLand Tourismus

Das war taktisch unklug. Denn ab Hüttschlag hieß es, den Kopf in den Nacken zu legen: Knackige 1400 Höhenmeter warten dort bis zum Gipfelkreuz des Gamskarkogels. Die unbarmherzige Nachmittagssonne gepaart mit dem üppigen Mittagsmahl ließen die ersten Kilometer endlos erscheinen.

Doch da – eine Fata Morgana!

Vor mir tat sich plötzlich ein Bergbach auf, dessen klares Wasser sich gleich am Wegesrand einladend zu einem größeren Becken formte. Da gab es nichts lange herum zu überlegen!

Völlig wiederhergestellt vom Bad in den etwa 9 Grad frischen Fluten ging’s an mehreren kleinen Almen vorbei hinauf zur Toferscharte, und in einer letzten Gewaltanstrengung die steilen Grashänge hinauf zum Gipfel. Ganz winzig und weeeiit entfernt am Horizont konnte ich das Mosermandl, den Hausberg der Franz-Fischer-Hütte, ausmachen. Eingedenk der spektakulären Alpinlandschaft dazwischen ist nun auch völlig klar, wie sich tagsüber 2200 Höhenmeter aufsummieren konnten. Gerade, als ich mich in der Gamskogelhütte um ein Platzerl im Matratzenlager bemühen wollte, fiel mein Blick ins Gasteiner Tal: Etwa 700 Höhenmeter weiter unten ließ sich ein kleiner, versteckter Almboden ausmachen, auf dem einige verstreute Hütten standen.

 

Weitwandern am Salzburger Almenweg - Gamskogelhütte (c) SalzburgerLand Tourismus

Weitwandern am Salzburger Almenweg – Gamskogelhütte (c) SalzburgerLand Tourismus

Im selben Moment war klar, dass es heute auf der ganzen Welt keinen Ort gibt, wo ich lieber hinmöchte als auf diese kleine Alm da unten. Sie liegt zwar nicht auf meinem ursprünglich geplanten Weg – doch ist das beim Weitwandern nicht völlig wurscht? Dann gehe ich halt eben wo anders hin! Es gäbe dort unten eine Sennerin, die jedoch nicht jeden Abend auf ihrer Hütte sei, ließ mich der Hüttenwirt wissen, als ich mich mit klingender Münze fürs Weizenbier bedankte. Egal, der Schlafsack im Rucksack schützt mich ohnehin vor allen Unwägbarkeiten. Nach diesem Tag schlummere ich, notfalls auch an einen Baum angelehnt im Stehen.

Die geheimste aller geheimen Almen…

Doch es kam viel besser. Lisi, die junge Sennerin, war zuhause. Auf ihrer eigenen Alm, auf der sie sich um einige Milchkühe kümmerte, und deren Milch zu Butter und Käse verarbeitete. Bei meinem Eintreffen legte sie gerade einen frischgebackenen Laib Brot zum Abkühlen auf einen der Terrassentische. Strom gibt’s hier keinen. Dafür ständig frisches Quellwasser aus dem Brunnen vor der Hütte. Zwei einheimische Burschen flenzten im T-Shirt auf dem Hüttenbankerl neben der Eingangstür. Wenige Minuten später saß ich selber dort in der Abendsonne – auf dieser geheimsten aller geheimen Almen, vor mir stand eine Speckjause und ein brunnengekühltes Flaschenbier. Mein Schlafsack lag bereits ausgebreitet am Dachboden – auf einem uralten Bett mit einer ebenso uralten Federkernmatratze. Das gute Stück stammt aus einer Zeit, als man sich noch keine Mühe machte, Federkernmatratzen mit Stoff zu beziehen. Hier schlafen normalerweise die Aufsichtsjäger. Sollte heute noch einer auftauchen, würde er sein Gewehr auch brauchen. Denn ohne Flinte kriegt er mich hier nicht mehr raus.

Als es beinahe finster war, kamen noch die Senner der Nachbarhütte zu Besuch und wir wechselten in die kleine Küche. Irgendwann ging er bei schummrigem Kerzenlicht zu Ende, dieser abwechslungsreiche Tag in den Zentralalpen.

Warum ich das hier erzähle? Weil ich Euch dazu ermuntern möchte, einmal in diese Traumgegend zu fahren, um dort ein paar Runden zu ziehen. Die obige Tour ist in ähnlicher Form hier im Portal beschrieben, und zwar in Form der Etappen 14 und 15 des Salzburger Almenweges. Die Franz-Fischer-Hütte und die Rastötzenalm könnt Ihr Euch spontan dazu basteln. Erstere wurde gerade totalsaniert und wurde im Juli des Vorjahres feierlich wiedereröffnet.

Jedenfalls – nur nicht zu viel herumplanen. Lieber einfach drauflos und schauen, was passiert. Idealerweise bei Kerzenschein.

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

Kostenlose Infos zum Salzburger Almenweg? HIER geht’s zur Anfrage!

Und HIER geht’s zum virtuellen Salzburger Almenweg!

Alle unsere Weitwandern-Angebote findet Ihr HIER.

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

Weitwandern Salzburger Almenweg (c) Martin Marktl - Hoch hinaus.

Weitwandern Salzburger Almenweg (c) Martin Marktl – Hoch hinaus.

 

Bildinfo:

© Martin Marktl – Hoch hinaus, 2014

25. März 2015