Weitwandern: Ohne Plan geht gar nichts!

Weitwandern

Abenteuer Weitwandern für Fortgeschrittene – oder: Wenn eine Tour nicht auf www.weitwanderwege.com zu finden ist…  🙂

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.

 

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, eine Strecke von A nach X zu Fuss zu bewältigen, also weit(er) zu wandern. Die einen planen ihren Weg wochenlang in akribischer Kleinarbeit, andere gehen einfach drauf los und schauen mal, wie weit sie kommen. Wiederum andere wandern ohne Rucksack, vielleicht von Hütte zu Hütte oder ganz komfortabel von Hotel zu Hotel und lassen sich ihr Gepäck einfach von Station zu Station mitliefern… Und für manche beginnt Weitwandern erst, wos bei den anderen bereits aufhört hat… Wie auch immer – die Herausforderung besteht darin, seinen (eigenen) passenden Weg zu finden…

Die Planung beginnt mit www.weitwanderwege.com. Wer es aber noch intensiver wissen will und mehrere Tage ohne vorgefertigtem Kartenmaterial auskommen möchte, kann es natürlich auch ganz nach dem Motto: „Selbst ist die/der WeitwandererIn“ versuchen… Nachstehend unsere Tipps dazu!

 

Ohne Plan geht gar nichts!

Es ist also beschlossene Sache: Heuer im Sommer werden Schuhe und Ränzlein geschnürt, und es geht (wieder) in die Berge! Nachdem die Sache mit dem Alpencross mangels ausreichender Tagesfreizeit kaum jemand in einem Sommer unterbringt, muss ein maßgeschneiderter Abschnitt her, der sich mit dem eigenen Urlaubsbudget in Einklang bringen lässt. Was geht sich denn überhaupt so aus in einer Woche? Und was ist drinnen, wenn ich mir heuer gleich zwei oder drei Wochen am Stück freischaufle?

Dazu einige kurze Überlegungen zur Etappenplanung, da gibt’s ja bekanntlich zwei Möglichkeiten:

Variante 1:

Man lässt jemand anderen die Arbeit machen. Hat man sich einmal durch das Angebot gewühlt und für eine Urlaubsdestination entschieden, führt der nächste Weg zum Buchhändler des Vertrauens, und ein Wanderführer – der spätere Begleiter – übernimmt die Etappenplanung. Ein Tipp dazu: Der Shop von freytag&berndt in Wien verfügt (vielleicht als einziges Geschäft Österreichs) über ein eigenes Regal mit Österreichischen Weitwanderbüchern.

Die in den Büchern angegebenen Wegzeiten können klarerweise nicht für jedes Konditionsniveau zutreffen. Doch ein gutes Buch folgt über alle Etappen hinweg einer einheitlichen Berechnung. Allerdings muss jeder für sich selbst rausfinden, wie die Zeiten zum eigenen Gehtempo passen. Ab Etappe Zwei oder Drei kennt man dann den persönlichen Umrechnungsfaktor, und zieht bei allen folgenden Etappe beispielsweise 10 Prozent von der angegebenen Zeit ab. Daheim am Schreibtisch bleibt einem jedoch vorerst nichts anderes übrig, als mit den angegebenen Zeiten zu kalkulieren.

Variante 2

folgt dem Motto „Selbstgemachtes schmeckt besser“, und darum geht’s hier heute. Die Tour wird meist am Computer geplant, und kommt dann zusätzlich zum benötigten Kartenmaterial in Form eines Tracks aufs GPS Gerät. Zur Planung und Erstellung benötigt man ein paar Tools – hier meine kleine feine und persönliche Auswahl:

  • Ein digitales Kartenprogramm, das mit SRTM Daten umgehen kann. SRTM ist vereinfacht gesagt die Information, die eine Karte braucht, um einem bestimmten Punkt auf der Welt die richtige Seehöhe zuweisen zu können. Google Maps oder Bing können das beispielsweise nicht. Ich verwende für die grobe Planung die digitalen Karten von Kompass. Die sehen genauso aus wie die Papierversion. Sehr gut sind auch die Karten des Alpenvereins, die jedoch Österreich nicht flächendeckend abbilden. Für die Detailplanung kommt das kostenlose Tool Basecamp zum Einsatz, das ich auch zur Verwaltung der bereits gegangenen Touren verwende. Mit dem gezeichneten Track hat man im Handumdrehen die ungefähren Gesamtauf- und -abstiegshöhenmeter. Gemeinsam mit der Weglänge lässt sich mit einer einfachen Formel die Marschdauer berechnen: Ich gehe auf Weitwanderstrecken von 4 Marschkilometern pro Stunde aus. Für je 400 Höhenmeter im Aufstieg bzw. 600 Höhenmetern im Abstieg kommt eine halbe Stunde hinzu.
  • Manche Karten behaupten von sich, routingfähig zu sein. Das bedeutet, dass man beim Zeichnen des Weges zwei Wegpunkte anklickt, und die beiden dann auf der Karte nicht mit einem geraden Strich verbunden werden, sondern die Route dem vorhandenen Wegenetz folgt. Das funktioniert meiner Meinung nach aber bislang noch eher schlecht als recht, denn dazu muss das Wegenetz in den Karten _WIRKLICH GUT_ erfasst sein. Sonst kann es schon mal passieren, dass zwei Punkte, die einen Katzensprung auseinanderliegen, über einen kilometerlangen Umweg verbunden werden. Ich bin allerdings für Rückmeldungen dankbar, wenn da jemand etwas Brauchbares kennt. Mein Tipp einstweilen: Lieber den Weg mit einfachen, geraden Strichen zeichnen, und dafür bei kritischen Stellen (Wegkreuzungen etc.) etwas genauer werden. Man hüpft unterwegs ja nicht gleich in die nächstbeste Schlucht, wenn der Strich einmal nicht genau am Wanderweg liegt.
  • Ein GPS Gerät mit Kartenfunktion. Ich verwende ein Garmin aus der Oregon-Serie, kann aber mit den Garmin-eigenen Karten nicht viel anfangen. Als Kartenmaterial bastle ich mir lieber meine eigenen OSM Karten hier. Das Gerät kommt auf ausgedehnteren Touren mit, wo ich die lange Akkulaufzeit brauche und schätze. Ansonsten reicht oft das Smartphone mit den passenden Apps: Nicht verzichten möchte ich auf ape@map. Mit dieser Software lassen sich digitale Karten aufs Smartphone portieren. So habe ich die Wanderkarte von ganz Österreich immer mit dabei. Auch den peakfinder finde ich sehr nett, der mir für ein paar Euro unterwegs auch ohne Internetverbindung verrät, welche Berge ich gerade von meinem aktuellen Standort aus sehen kann. Wobei mir gerade dafür auch die Papierversion der Karte unverzichtbar erscheint.
  • Für die Arbeit im Nachhinein, also das „Sauberputzen“ von den selbst aufgezeichneten GPX Tracks, kommt seit Jahren GPS-Track-Analyse.NET zum Einsatz. Das Tool kann Höhenmessfehler korrigieren, weist den Tracks fehlende SRTM Daten zu und ist – was die Nachbearbeitung betrifft – mächtiger und bedienungsfreundlicher als Garmins Basecamp. Allerdings hat das Tool wohl eine begrenzte Lebensdauer, da die Weiterentwicklung unlängst eingestellt wurde.

Mit diesen Werkzeugen habe ich seit Jahren mein Auskommen, doch es gibt sicher noch andere tolle Dinge.

Rückmeldungen aller Art sind immer gern gesehen – entweder auf Facebook oder via E-Mail. (Wir leiten Eure Mails gerne auch an unseren Weitwanderer Martin Marktl weiter!)

Weitwandern_Alpe Adria Trail_Muggia_Marktl

Bildinfo: Der Hafen von Muggia, das Ziel unseres letzten Weitwanderweges – mal sehen, wohin die Reise heuer führt…
Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

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Text & Beitragsbild: Martin Marktl
(c) Titelbild: TVB Wilder Kaiser, auf der Kaiserkrone

 

23. März 2015