Über Packstrategien und Einsparungspotentiale, die vor und hinterm Wanderer zu finden sind…

Beste Foto-Ansicht für Ranzen-vorne-Träger. (c) Martin Marktl

Martin berichtet diesmal über volle und leere Rucksäcke, Regenwetter, gekühltes Bier auf Hütten, weiteren Gewichts-Einsparungspotentialen und auch über seine diesbezüglichen Selbstversuche…

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

Leichtes Untergewicht

Wie stellt man es an, mit einem Rucksack-Fassungsvermögen von max. 22 Litern eine Mehrtagestour zu bestreiten? Mehr braucht man für ein Wochenende tatsächlich nicht, wie mein Wanderfreund beigl vergangenes Wochenende einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat:

Leicht im Vorteil: beigl (c) Gert Gasperin

Leicht im Vorteil: beigl (c) Gert Gasperin

beigl‘s Packstrategie lässt sich wohl am besten mit „Mut zur Lücke“ zusammenfassen. So hatte er beispielsweise auf der 70 Kilometer langen Ost-West-Überquerung der Gleinalpe trotz durchwachsener Wetterprognose keine Regenhose dabei. „Bringt im Mittelgebirge keinen wesentlichen Komfortgewinn“, so sein Resümee. „Über kurz oder lang bildet sich bei körperlicher Anstrengung unter der Regenhose ohnehin Kondenswasser, da kann ich genauso gut ‚ohne‘ gehen. Und wenn’s vorbei ist, ist die Funktionswäsche auch gleich wieder trocken.“

Nach vielen Tests: Der einzig brauchbare Regenschutz. (c) Bild: Martin Marktl

Nach vielen Tests: Der einzig brauchbare Regenschutz. (c) Bild: Martin Marktl

Ähnliches gilt sinngemäß auch für den Rucksack. Selbst wenn man dafür extra eine Regenhaut mitkauft – wirklich nützen tut sie im Ernstfall nicht. Über die Polsterung der Tragriemen kriecht das Wasser in den Rückenbereich und durchnässt langsam aber sicher auch den Packsack. Besser ist es hier, gleich den Inhalt wasserdicht zu verstauen, und auf den Rucksack selbst zu pfeifen. Großartige Packsäcke, mit denen sich gleichzeitig die Wäsche auf ein Minimum komprimieren lässt, gibt es von vertrauenswürdigen Herstellern wie sea to summit oder Ortlieb (meine Packsäcke sind seit 6 Jahren im Einsatz und sind immer noch so gut wie neu).

„Is eh scho wurscht!“ –  Mein toller Rucksack-Sack (c) Martin Marktl

„Is eh scho wurscht!“ – Mein toller Rucksack-Sack (c) Martin Marktl

Noch mehr rausholen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes – lässt sich beim Proviant. Vor allem in der westlichen Hälfte Österreichs kommt auf den Weitwanderwegen alle drei Stunden bei einer Hütte vorbei. Bei meiner Gailtaler Alpen-Überquerung hatte ich für eine Woche rund 8 Kilo Proviant mit. Bei mir ging’s nicht anders, da ich in der Vorsaison unterwegs war. Doch im Sommer lässt sich sehr viel einsparen, wenn man sich dazu entschließt, die Hüttenwirte gerecht für den Gepäcktransport – und nichts anderes ist es, wenn er statt Dir das Futter auf den Berg raufträgt – entlohnt. In der Regel kostet, um bei den Grundnahrungsmitteln zu bleiben, der Transport eines halben Kilos Bier etwa 30 – 50 Cent. Soll heißen, ein Krügerl ist meist um 3,80 Euro zu kriegen. Fair, oder? Manchmal bekommt man es sogar zum gleichen Preis wie im Tal, wie unlängst auf der schönen Hochmölbinghütte gesehen (€ 3,40).

Der dritte große Brocken, an dem sich ordentlich sparen lässt, ist der Wasservorrat. Wer sich vor der Tour mit den Bächen am Weg auseinandersetzt, kann das Gesamtgewicht spürbar reduzieren. Wozu Wasserträger spielen, wenn ohnehin alle zwei Kilometer eine Quelle kommt? Dann geht auch sowas. Macht 60 Gramm statt 3 Kilo. Natürlich könnte man sagen: Geht doch mit den bloßen Händen auch! Eh, aber wir haben gerade von 3000 Gramm 2940 eingespart, werd‘ ma also jetzt nicht kleinlich… 🙂

Soviel zum Packgewicht. Das allerallermeiste Einsparungspotential jedoch – und das kann ich dank jahrelanger Selbstversuche bestätigen – ist allerdings direkt vor, und nicht hinterm Wanderer zu finden. Für Ultra-Light-Trekker führt also der erste Weg zum vollkommenen Glück nicht ins Bergsportgeschäft, sondern zu den Weight Watchers 😉

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende,
Euer schwer tragender Martin

PS: Fast hätt ich’s vergessen! Mein wichtigster Ausrüstungsgegenstand (0,000001 g) ist das hier. Himbeerfan beigl – siehe erstes Foto – weiß warum.

 

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt! 🙂

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 7.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: 2012 gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des 750km langen Alpe-Adria Trails. Er lebt als freier Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

 

Beste Foto-Ansicht für Ranzen-vorne-Träger. (c) Martin Marktl

Beste Foto-Ansicht für Ranzen-vorne-Träger. (c) Martin Marktl

 

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Bildinfo:

© Martin Marktl, ausgenommen erstes Beitragsbild © Gert Gasperin

 

9. Juni 2015