Auf den Spuren der Säumer: Eine „Weitwanderung“ für den damaligen internationalen Fernverkehr…

Über diesen Weg wurde das Benediktinerstift Ossiach mit Waren aller Art beliefert. Heute ist der Weg Teil des Alpe Adria Trails. (c) Martin Marktl

Seit Jahrtausenden zieht der Mensch zu Fuß und mit schwerem Gepäck durch die Berge Österreichs. Kesselflicker und Rastelbinder teilten sich die Säumerpfade mit Sauschneidern, Spielleuten, Speikgräbern und Wallfahrern – und unserem Berg-Korrespondenten Martin.

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

 

Und seit Jahrtausenden wird es geschätzt, geliebt und schwer umkämpft – das „weiße Gold“ – das SALZ. Die Salzhändler, wurden als „Säumer“ bezeichnet. Salz war in der damaligen Zeit noch wertvoller als echtes, pures Gold. Die Wege, die die Säumer auf sich nehmen mussten,  waren beschwerlich und voller Gefahren, wenn sie sich vollgepackt mit ihrem Salz und den Packtieren auf die Reise machten. Passend dazu schließen wir unseren Bericht aus dem Salzburger Saalachtal, wo man sich noch heute auf die Spuren der Säumer begeben kann! Eine Co-Produktion von Martin Marktl & Nadine Lauritsch!

 

Auf den Spuren der Säumer

Insbesondere der Zentralalpenkamm stellte im Nord-Süd-Handel vergangener Tage eine beschwerliche Hürde dar, da gemeinerweise gerade die kürzesten Wege bis auf den allerhöchsten Juchee (St. Bernhard, Gotthard, Hochtor) raufführten. Schwere Zeiten für den internationalen Fernverkehr! Bis zu 60 Kilogramm wogen die Salz-, Bier- oder Weinfässer, die von den Krax‘nträgern über die Pässe geschleppt wurden. Denn auf den schmalen, oft steilen Steigen bockten die Viecher – also hieß es selbst Hand anlegen.

Bis ins späte Mittelalter zogen es die Säumer vor, auf höhergelegenen Routen zu bleiben. Die Täler des Alpenraumes wurden ja erst in den letzten 1000 Jahren mit Wegen durchzogen. Vor zwei Jahrtausenden, also zur Zeit der ersten verkehrsmäßigen Erschließung der Alpen durch die Römer, fand man in den Talbecken oft nur dichte, versumpfte Wälder. Und daher war der Anreiz, durch gatschige Böden und dichtes Gestrüpp zu stapfen, entsprechend gering.

Allein der Umstand, dass es die heutige Großglocknerstraße damals zu einem der meistfrequentierten Alpenübergängebrachte, zeigt, dass das Verkehrsnetz völlig anders aussah als heute. Zwischen Salzburg und Oberitalien war der halsbrecherische Übergang das beste Angebot weit und breit. Denn die östlich gelegene, 800 Meter niedrigere Katschberghöhe gab es damals nur im Kombiangebot mit einer GESAMTüberschreitung der ebenfalls sehr ungastlichen Radstädter Tauern. Also eher was fürs stramme Wad‘l, nicht für den „Zeit-ist-Geld“-Handelsverkehr.

Viel einfacher hatten es da die Kaufleute, die am „schrägen Korridor“ zwischen Wien und Venedig unterwegs waren. Hier waren die Höhenunterschiede überschaubar, und daher kamen Lasttiere zum Zug. Unter Zuhilfenahme kleiner, meist einspänniger Gebirgskarren konnten etwa 250 Kilogramm transportiert werden. Kam ein Wagen nicht in Frage, wurden die Esel, Pferde oder Maultiere selbst mit Körben oder Packsäcken beladen. Das zulässige Höchstgewicht am Rücken der Gäuler lag bei rund 90 Kilogramm – Hafer und Heu für den Eigenbedarf nicht eingerechnet.

An den Pässen mussten die Waren umgehoben werden, da auf der jenseitigen Bergseite andere Spediteure zuständig waren. Die steirische Hebalm hat dadurch ihren Namen bekommen. Dito auch die nahegelegene Weinebene, die sich auf knapp 1700 Metern Seehöhe naturgemäß weniger durch den Anbau von Reben, als vielmehr als Umschlagplatz für Weinfässer einen Namen machte. Auf älteren Karten wird man die Gegend daher auch unter dem Namen Weinheb‘ finden. Und weil mit dem „Umheben“ meist der Arbeitstag zu Ende ging, standen an diesen Orten schon damals Herbergen, die einen Platz im Heu sowie Speis und Trank feilboten. Als Stübler bezeichnete man im Mittelalter einen Raum, der mit einer Feuerstelle ausgestattet war. Wer also heute vom Murtal aufs Gaberl fährt, weiß, wie die am Weg gelegene Stubalm (besser bekannt als Gaberl, benannt nach einem Senner namens Gabriel) zu seiner Bezeichnung kam.

Auf den Spuren der Säumer im Salzburger Saalachtal

Das Saalachtal mit seinen Seitentälern, den einmündenden Quellnebenbächen, Hochtälern, Klammen, Wildbäche und Berggipfel bildeten sich mit dem Rückzug der Gletscherschmelze. Es entstanden Waldungen und tundraähnliche Hochflächen. Auf der Suche nach Essen kamen die Jäger, Fischer und Früchtesammler auch im Saalachtal vorbei und hinterließen dort ihre Spuren, die teilweise noch heute ersichtlich sind. Schon in der frühen Halzstattzeit machten sich die Kelten auf den Weg Richtung Süden. Das Haupthandelprodukt war Salz, welches sie gegen Glas, Keramik und Wein tauschten. Auch das Eisen spielte eine große Rolle für die Römer. Bis zu 60 Kilogramm wogen die Salz- oder Weinfässer, die von den Krax‘nträgern über die Pässe geschleppt wurden. Denn auf den schmalen, oft steilen Steigen bockten die Viecher – also hieß es selbst Hand anlegen. Funde entlang der römischen Saalachtalroute von den Tauern und Saalfelden kommend, durch Frohnwies flussabwärts bis in die Handelsstätte an Saalach und Salzach, aber auch von Lofer nach Tirol, belegen das damalige Verkehrsnetz. Dabei war der Weißbach im Saalachtal der „Wegführer“ der Säumer.

Noch heute von großer Bedeutung ist der seit dem Jahre 1976 mit dem höchsten Naturschutzprädikat „Naturdenkmal“ geschützte Seisenbergklamm, der heute ein Teil des Naturparks in Weißbach ist. Holzknechte errichteten einen Triftweg durch die 600 m lange Klamm um Holz zum Haupttriftgewässer Saalach und zu den Salzsudpfannen nach Reichenhall transportieren zu können. Heute wird er von naturliebhabenden Wanderern und Weitwanderern gerne durchwandert. Auch an Wildkräuterwanderungen, Wanderungen zur Käsehütte, musikalische Fackelwanderungen durch die Seisenbergklamm können sich Wanderer erfreuen. Auch die Geschichte-Tour durch Lofer, von dem alten Triftsteig der Teufelsschlucht vorbei an riesigen Felsbrocken, in Richtung Au, gibt Aufschluss  über die Vergangenheit des Marktes Lofer.

Das Unkener Kalchofengut, ein Bauernhaus das im 16. Jahrhundert erbaut wurde und sich Mitte der 80er Jahre in ein Heimatmuseum verwandelt hat, beherbergt noch viele bäuerliche Kulturgute. Neben den Spuren der Salzgewinnung, wurde auch die Holzgewinnung und -bringung zu einer Wirtschaftsgrundlage des Salzburger Saalachtales.

Vom Saumhandel ist heute nicht mehr viel übrig, doch die Wege, auf denen einst der Handel pulsierte, die gibt es immer noch.

 

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

Über diesen Weg wurde das Benediktinerstift Ossiach mit Waren aller Art beliefert. Heute ist der Weg Teil des Alpe Adria Trails. (c) Martin Marktl

Über diesen Weg wurde das Benediktinerstift Ossiach mit Waren aller Art beliefert. Heute ist der Weg Teil des Alpe Adria Trails. (c) Martin Marktl

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HIER gehts zur virtuellen Wanderung auf dem Saalachtalweg im Salzburger Saalachtal.

 

Beitragsbild:

© Martin Marktl – Ossiach – entlang des Alpe-Adria-Trails. Über diesen Weg wurde das Benediktinerstift Ossiach mit Waren aller Art beliefert. Heute ist der Weg Teil des Alpe Adria Trails.

Informationsquelle Saalachtal:

http://www.lofer.com/salzburg-saalachtal, http://www.saalacherlebniswelt.com

 

 

11. August 2014