Natur pur! Martin im größten natürlichen Tretminenfeld der Welt… ;-)

Weitwandern_Steiermark_Steirisches Almenland_Kalb (c) Martin Marktl

Bepackt mit seinem 650 Gramm schweren mobilen Büro sitzt Weitwanderer Martin diesmal (arbeitend) am höchsten Rastbankerl des Steirischen Almenlands und berichtet vom größten natürlichen Tretminenfeld, von Palmesel-Blicken und einem steirischen Fenster mit Blick bis ins Burgenland! Aber lest selbst…

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

 

Alles Gute kommt von oben.

Früher, als sich die Leute am Land Schuhe bestenfalls einmal im Jahr leisteten, standen die Halterbuben und -dirndln oft barfuß draußen am Feld. War es ein besonders garstiger, kalter, schircher, windiger Regentag, dann stellten sich die Kinder gerne in einen dampfenden Kuhfladen, um sich die Zehen etwas zu wärmen.

Auch wir Wandersleute kennen das, wenn auch in gänzlich anderem Zusammenhang. Nicht immer zeugt ein weiches Abrollverhalten von der Güte der Vibram®-Sohle: Wenn man nicht aufpasst, kann es ganz schnell sein, dass man selber der Halterbua ist.

Womit wir auch mitten in der heutigen Geschichte wären. Es ist gerade 9 Uhr morgens, und ich sitze mit meinem 650 Gramm schweren mobilen Büro gerade am höchsten Rastbankerl des Steirischen Almenlandes. Hier, inmitten der größten zusammenhängenden Rinderweide des Landes, lässt sich’s an einem Tag wie heute besonders gut aushalten. Heute bin ich ausnahmsweise nicht auf einem Weg aus dem Sortiment der weitwanderwege.com-Empfehlungsliste unterwegs, sondern auf einer Strecke, in dieser Form – bis zum Erscheinen meines nächsten Buches – noch gar nicht gibt. Und diese Tour führt in den Monaten Mai bis Oktober durch das größte natürliche Tretminenfeld der Welt.

Zweieinhalb Gehstunden habe ich heute schon in den Beinen. Die letzte Nacht habe ich übrigens in einer Pilgerherberge verbracht, da ein Stück meiner selbstgestrickten Route die Mariazeller Wallfahrtsautobahn berührt. Schon kurz vor 6 Uhr morgens erschien ich im Frühstückssaal – nicht ohne Stolz, so früh schon unter den Lebenden zu weilen. Doch von der bereits vollständig anwesenden, putzmunteren Pilgerschar erntete ich nur Blicke, die sich irgendwo zwischen Mitleid und Nichtbeachtung bewegten. Schnell begriff ich: Wenn Du von den Wallfahrern ernst genommen werden willst, dann hast Du um fünf Uhr morgens bereits in deinen Socken zu stecken und vor Sonnenaufgang das erste Mal freundlich gen Bethlehem zu nicken. Jeder, der es wagt, erst nach halb sechs zum Frühstück zu erscheinen, kriegt den Palmesel-Blick.

Eingedenk dieses sanften gruppendynamischen Druckes auf meinen Schultern blieb mir nichts anderes übrig, als ebenfalls gleich loszustapfen, um nicht sofort standrechtlich exkommuniziert zu werden. Doch auch ohne den heiligen Tritt in den Hintern wäre es mir schwer gefallen, nicht sofort aufzubrechen: Bei traumhaften Bedingungen sah ich bereits bei einem Fenster bis ins Burgenland und im anderen Fenster die noch schneebedeckten Gipfel der Seckauer Tauern (ich kenne übrigens Leute, die mit dieser Angabe allein bereits wissen, wo diese Herberge steht – ich freue mich schon auf diesbezügliche Leserzuschriften ;-).

Und so bin ich den nachtaktiven Wallfahrern im Nachhinein sehr dankbar und habe ihnen auch bereits verziehen, dass sie am gestrigen Abend bereits um halb acht in Richtung Schlaflager aufgebrochen sind – und mich alleine in der Gaststube sitzen ließen. Da trennten sich nämlich vorübergehend unsere Wege. Um 19:30 ins Bett gehen … muss eine interessante Erfahrung sein. Das könnte ich am nächsten Dienstag mal ausprobieren, wenn sie in der ZIB in gewohnter Weise kurz nach halb acht vom wöchentlichen Ministerrat berichten.

So, ich mache an dieser Stelle Schluss für heute, da der Tag besser und besser wird, und es mich wieder auf die Almwege zieht. Für all jene unter Euch, deren Büro mehr als 650 Gramm wiegt: Lasst es einfach liegen und stehen. Ich wünsche Euch am langen Wochenende gutes Tourenwetter (ich würde bei der aktuellen Prognose übrigens zur Südsteiermark raten) und keine ungewollten Ausrutscher … 🙂

Euer Martin!

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

Weitwandern_Steiermark_Steirisches Almenland_Kalb (c) Martin Marktl

Weitwandern Steiermark, Steirisches Almenland, Kalb (c) Martin Marktl

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Bildinfo:

© Martin Marktl – Mein neuer Freund, Sommeralm in der Steiermark, Juni 2014

18. Juni 2014