Weitwandern = weit tragen… Aber ohne Essen geht’s halt nicht.

Weitwandern Gepäck (c) Martin Marktl

Von 16 auf 12 kg in nur 2 Tagen…  Weitwanderer Martin berichtet über seine Rucksack-Diät bei seiner ersten Weitwander-Tour.

 

 

Das Weite suchen…

                               …mit Martin Marktl

 

Wasser zum Bach tragen?

Meine erste große Weitwandertour war von langer Hand geplant. Ich hatte einen Winter lang Zeit, mir über alle möglichen Dinge Gedanken zu machen, und da kam natürlich die Packliste nicht zu kurz. Über Monate hinweg pflegte ich fein säuberlich eine Tabelle, die mir auf Knopfdruck das Gesamtgewicht des Rucksackes berechnete. Jedes einzelne Gummiringerl kam auf die Küchenwaage – und wurde penibel in der Liste registriert. Da wurden virtuell Sachen ein- und ausgeräumt, dass es nur so eine Freud‘ war!

Am Ende kam ich damals bei rund 16 kg zu liegen. Schon beim Probetragen deuchte mir, dass sich das Excel-Sheet über all die Monate der Planung weit geschmeidiger anfühlte als der Rucksack, der nun prallgefüllt von meiner Schulter hing. Es kam, wie es kommen musste: Nach einigen Tagen auf Tour trat ein gelber Karton im schicken Post-Design den Heimweg an – vollgefüllt mit allerlei unnötigem Kramzeug. Bei den 5.000 Kilometern seitdem fand ich mit rund 12 Kilogramm das Auslangen – Trinkwasser eingerechnet.

Ohne Essen geht’s halt nicht…

Ein großer Kuchen, an dem sich auf den ersten Blick nicht viel schrauben lässt, ist der Proviant. Vor allem bei Mehrtagestouren kommt da so einiges zusammen. Aber ohne Essen geht’s halt nicht. Bei der Längsüberquerung der Gailtaler Alpen sah mein Speiseplan so aus (der Einfachheit halber habe ich mir für diese einwöchige Tour jeden Tag dieselbe Menüfolge verordnet):

Frühstück: Brot, Butter, Honig, Kaffee
Mittagessen: Packerlsuppe mit Brot
Abendessen: Spaghetti mit Butter und Parmesan

Die Proviantliste lautete also: 2 kg Brot, ½ kg Butter, ein paar Honigportionen (gibt’s im Gastro-Handel), Instantmilchkaffeepulver, achtmal „Die Gute Suppe“, 2 kg Spaghetti, fünfmal vakuumverpackter geriebener Parmesan. Macht gemeinsam mit dem Kochgeschirr rund 6 Kilo. Das ist OK, und geht sich auch nur aus, weil in den Lebensmitteln kaum Wasser enthalten ist.

Selbst backen?

Denn für jeden, der nicht acht Tage lang dasselbe essen mag (und natürlich auch für alle Tageswanderer) liegt das größte Einsparungspotential bei dem in Lebensmitteln enthaltenen Wasser. Doch daran lässt sich schrauben: Alternativ zu den 2 kg Brot kann man sich auch eine selbstgemachte Brotmischung abrühren (im einfachsten Fall wären das 1 kg Weizenmehl und zwei TL Salz – doch der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt). Unterwegs wird das Instant-Brot mit frischem Wasser zu mandarinengroßen Kugeln geformt, flachgedrückt und im Kochtopf, den man kurzzeitig zum Backrohr umfunktioniert, unter mehrmaligen Wenden in wenigen Minuten braungebacken. Schmeckt fantastisch und kostet kaum Zeit. Und das schaffen sogar Leute, denen sonst das Nudelwasser anbrennt.

„Rucksack-Diät“ geht auch bei den Snacks für zwischendurch

Und schon ist ein Kilo weniger im Rucksack. Viel mehr lässt sich aber bei der Gailtaler Zutatenliste nicht mehr machen, da der verbliebene Wassergehalt der anderen Zutaten ohnehin gegen Null tendiert. Allerdings darf man unterwegs seine Wasservorräte nicht aus den Augen verlieren. Eine gute Wanderkarte hilft dabei, die Quellen am Weg aufzuspüren, um nicht zu viel Reserve durch die Gegend zu tragen.

Wasserentzug geht auch am Frühstückstisch. Wer unterwegs z. B. auf Banane oder Apfel nicht verzichten mag, kann sich über drei Viertel des Gewichtes sparen, wenn er sich schon vor der Tour sein Obst in dünne Scheiben schneidet, und bei etwa 50 Grad im Backrohr dörrt. Bei 75 % Wassergehalt lässt sich da einiges rausholen! Die Chips haben denselben Nährwert wie das Frischprodukt, halten aber länger, und man macht sich nicht lächerlich, wenn man die Bananenbox vom Outdoorshop aus dem Rucksack holt.

In diesem Sinne: Mahlzeit!

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

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Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

Jausenplatz am Gailtaler Höhenweg

Jausenplatz am Gailtaler Höhenweg

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Text & Beitragsbilder: Martin Marktl

© Martin Marktl – Der mobile Zweipersonenhaushalt
© Martin Marktl: Jausenplatz’l auf den Gailtaler Alpen

10. März 2014