Unterwegs in den Niederen Tauern

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Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

Mehrtagestour von den Wölzer Tauern zum Schladminger Tauern Höhenweg

 

Mein erster Versuch vor sechs Jahren, die Traumtour vom steirischen Sölktal nach Schladming zu absolvieren, stand unter keinem guten Stern. Schon in der Rudolf-Schober-Hütte musste ich damals zwei Tage lang (mitten im Juli!) einen Wintereinbruch aussitzen.

 

Diesmal jedoch scheint von Beginn an alles anders zu werden: Die Wetterprognose ist vielversprechend – die paar Wolken bei meiner Anreise nach St. Nikolai waren angekündigt und stellen kein großes Problem dar. Zuvor parkte ich mein Motorrad in Stein an der Enns, um am Sonntag von Schladming aus mit dem Zug hierher zurückzukommen. Um zum Startpunkt in St. Nikolai zu gelangen, erweist sich der günstige Tälerbus als sehr praktisch (Tipp: Zusätzlich zum Tälerbus finden sich auf der Homepage der Schladming-Dachstein-Region alle anderen regionalen Verkehrslinien, mit deren Hilfe Streckenwanderungen ein Kinderspiel werden!)

Von Sankt Nikolai im Sölktal ging’s erstmal gemütlich dem Bräualmbach entlang zum Hohensee. Hier stand einst ein Almhüttendorf, von dem heute nur mehr einige steinerne Grundmauern übrig sind. Auf alten Aufnahmen ist zu sehen, dass am Ufer dieses schönen Bergsees noch vor 90 Jahren die Post abging. Nun stehen dort nur mehr zwei der ehemals 10 Almhäuser.

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Der Aufstieg zur 2250 m hohen Schimpelscharte samt Abstieg zur Rudolf-Schober-Hütte verlief so unspektakulär wie der Start in den nächsten Tourentag. Ich werde wohl niemals bei diesem Wegweiser vorbeikommen, ohne ein Foto zu machen …

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Bei der Schöttelhütte genieße ich die Aufmerksamkeit der versammelten Damenwelt …

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… doch das Interesse an mir ließ bald nach, und so zog ich zur Hubenbaueralm weiter – zu einer Hütte, wo ich mir ganz gut vorstellen könnte, dort ein paar Tage zu verbringen…

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Zwischen Hubenbauertörl und Hinterkarscharte ging’s diesmal ganz gemütlich dahin. Damals bei Neuschnee war der Abschnitt alles andere als lustig – das Testament war ausformuliert. Doch bei den Temperaturen der letzten Tage spielt der Schnee keine Rolle mehr, und ich konnte sorgenfrei durchs hohe Gras pilgern …

… und, tja … es war auch sonst ganz angenehm da oben.

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Vom Rantentörl, wo ich eine gute Stunde später mit einer netten deutschen Familie die großartige Aussicht genoss, sieht man zum gleichnamigen See und weiter ins Krakautal hinunter …

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… doch für mich ging’s nach Norden, wo ein fuuuurchtbar langer Abstieg zur Breitlahnhütte dadurch entschärft wurde, dass er fuuurchtbar schön war.

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Am Schwarzensee bekam ich auf der netten Jäger-Alm das kulinarische Aushängeschild der Region, nämlich Steirerkasnocken. Nur optisch besteht eine hohe Verwechslungsgefahr mit Mohnnudeln, geschmacklich sollte man sich besser nicht auf eine Süßspeise einstellen …

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Derart wiederhergestellt, ging’s zum Nachtquartier im Breitlahntal – und am nächsten Tag weiter nach Westen. An den verstecktesten Almhütten führt mein Weg vorbei:

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Nach dieser letzten Einkehrmöglichkeit geht’s ans Eingemachte. Ab nun mangelt es entlang der hochalpinen Strecke Richtung Preintaler Hütte an Schutz- und Unterstandsmöglichkeiten. Aber was braucht man schon mehr als eine geräumige Höhle mit dieser Aussicht!

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Weiter geht’s hinauf auf ca. 2400 m Seehöhe, wo uns der Berg Mitte Juli noch seine kalte Schulter zeigt. Doch ein Jausenplatzerl wie dieses lässt man nicht aus, und so saßen wir über eine Stunde bei den Goldlacken herum.

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Der frühe Nachmittag ließ das Thema „Sonnenuntergangsbier“ aufkommen, und schon sah ich meinen Wanderkumpanen Michael in freudiger Erwartung auf die Preintaler Hütte – hier noch weit unten im Almboden – zutanzen.

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Nach dem üblichen Tourenausklang – Hüttenessen (sehr gut!), Bier (Schladminger!) und netten Tischnachbarn, folgte eine – für ein sehr großes Lager – äußerst angenehme Nacht. Die Preintaler Hütte ist sehr gut geführt, wenn ich mir das Urteil als Ex-Berufskollege erlauben darf. Wir haben uns jedenfalls trotz des großen Publikumsandrangs sehr wohl gefühlt.

Tags darauf ging’s an den wunderschönen Klafferkesseln vorbei hinauf zum 2600 m hohen Greifenberg, dem höchsten (wiewohl auch einzigen) Gipfel dieses Wochenendes. Der trotz einiger Seilversicherungen recht einfach bezwingbare Berg markierte den Anfang vom Ende unseres Spazierganges am Schladminger Tauern Höhenweg.

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Ein letzter Bergsee machte uns den Abschied von den „Schladmingern“ schwerer, als er ohnehin schon war …

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… und so waren wir fast ein wenig traurig, als bald die Gollinger Hütte in unser aufmerksames Blickfeld rückte (hier wieder nur als kleiner Punkt weeeeit unter uns erkennbar), die dem grandiosen Schauspiel – die Bilder sprechen ja diesbezüglich eh für sich – ein Ende bereitete (Info: Von der Hütte erreicht man in ca. 1,5 Stunden den Parkplatz Untertal, wo ein Wanderbus Richtung Schladming ein eigenes Fahrzeug am Ziel überflüssig macht).

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Toureninfos

Der Schladminger Tauern Höhenweg gehört zu den schönsten Abschnitten des Zentralalpenweges 02, und kann – wie hier beschrieben, an beiden Endpunkten beinahe endlos um weitere, sehr schöne Tagestouren verlängert werden. Oder auch verkürzt – je nach Zeitbudget: Einstiegspunkte gibt es (von Ost nach West) bereits in den Wölzer Tauern in St. Nikolai, der Breitlahnhütte (beide Tälerbus), und bei allen Hütten der Schladming-Dachstein-Region via Wanderbus, also der Preintaler, Golling-, Landawirsee-, Keinprecht- und Ignaz-Mattis-Hütte.

 

Zum hier vorgestellten, östlichen Startpunkt St. Nikolai gelangt man öffentlich über den Bahnhof Stein/Enns, und von dort mit dem Wandertaxi Mayer weiter, der im Sommer einen kostengünstigen Rufbus betreibt (Fahrplan unter www.taelerbus.at).

 

TIPP: Hüttenschlafplätze im Sommer unbedingt vorreservieren, insbesondere ab Preintalerhütte.

 

Tourenlänge: ca. 60 km, 4 Tage. Gipfel am Weg: Die Hochwildstelle (höchster Binnenberg der Steiermark, sowie der Hochgolling, höchster Berg der Niederen Tauern.

 

Kostenlose Infos zum Schladminger Tauern Höhenweg? HIER geht’s zur Anfrage!

Und HIER geht’s zum virtuellen Schladminger Tauern Höhenweg!

 

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Fotoalbum des Schladminger Tauern Höhenwegs.

 

 

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt! 🙂

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 7.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: 2012 gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des 750km langen Alpe-Adria Trails. Er lebt als freier Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

Bildinfo: Alle Bilder © Martin Marktl

 

 

6. August 2015