Die Geschichte des Wanderns.

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Das Wandern hat sich im Laufe der Jahrhunderte von einer notwendigen Fortbewegungsart hin zu einer beliebten Freizeitaktivität entwickelt.

Ein Beitrag von Claudia Pertl

 

Mobilität war für die Menschen bis zum Beginn des industriellen Zeitalters eher ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten. Der Transport von Gütern und Menschen war zeitaufwendig und teuer – zu Fuß wurden Waren transportiert, neue Jagdgründe erschlossen, Weidefläche für das Vieh gesucht und Kriege geführt. Diesen „Wanderungen“ lagen meist administrative, klimatische oder ökonomische Überlegungen zu Grunde.

Das Wandern war fester Bestandteil und besondere räumliche Bedingung des Arbeits­ und Alltagslebens bestimmter Berufs­ und Sozialgruppen. Zum Spaß oder als Freizeitbeschäftigung wurde nicht gewandert. Eine freizeitorientierte Mobilität entwickelte sich erst parallel zur touristischen Entwicklung. Das Verreisen bekam einen neuen, zusätzlichen Inhalt, der bis dahin nur wenigen privilegierten Personen vorbehalten war: Rekreation, kulturelle Neugier und Bildung waren die ersten Triebkräfte touristisch motivierter Fahrten, in denen auch das Wandern eine wichtige Rolle zur Entdeckung von Regionen aber auch zur Fortbewegung einnehmen konnte.

Auslöser des Wanderns – Pilgern

Als historischer Auslöser des Wanderns wird allgemein das Pilgern angesehen, also das Überwinden von Wegstrecken aus vornehmlich religiösen Motiven. Neben den Pilgern prägten vor allem Kaufleute, Händler und Handwerker, aber auch Vaganten und Scholare – Kleingruppen von bis zu 10 reisenden Schülern – das Bild des wandernden Reisenden im Mittelalter: Wandern diente somit primär wirtschaftlichen Erwägungen oder der Bildung, wobei von Universität zu Universität gewandert wurde.

Im Gegensatz zu den bereits genannten Motiven war die Begründung, die der humanistische Gelehrte und Dichter Francesco Petrarca im Jahr 1336 zur Besteigung des Mont Ventoux in der Provence gibt neu: Ihn „[trieb] einzig die Begierde, die ungewöhnliche Höhe dieses Flecks Erde durch Augenschein kennenzulernen.“ Mit der Besteigung eines Berges als rein ästhetisches Erlebnis war Petrarca damals seiner Zeit weit voraus.

Intensiver entwickelte sich das Wandern durch den Wanderbrauch junger Handwerker, die ab dem 14. Jahrhundert oft aus Abenteuerlust und Fernweh zu den verschiedenen Baustellen zogen. Ab dem 16. Jahrhundert bestand ein Wanderzwang für junge Handwerker: Auf der Gesellenwanderung sollten junge Handwerker ihrem gewohnten Milieu entkommen und in der Ferne neue Erfahrungen machen und Techniken erlernen.

Bis zum Zeitalter der Aufklärung im 17./18. Jahrhundert galt die Natur und im speziellen die Berge als gefährlich und dem Menschen unheimlich. Erst Landschaftsmaler und reisende Literaten waren maßgeblich daran beteiligt, diese gesellschaftliche Wahrnehmung zu verändern. Galten beispielsweise die Alpen bis dato als hässlich, bedrohlich und widerwärtig, so beschrieb Albrecht von Haller sie 1729 in seinem Gedicht „Die Alpen“ als majestätische Bergwelt, betonte die Einfachheit und Ehrlichkeit seiner Bewohner und weckte dadurch die Neugier von Abenteurern.

Ebenso beeinflusste Johann Wolfgang von Goethe mit seinen Reisen in die Schweiz (1775 und 1779) und nach Italien (1786) die allgemeine Wahr nehmung. Neben der Literatur hat auch die romantische Malerei das Bild der Natur nachdrücklich verändert. Es blieb jedoch ein Wettstreit um die Motivation des Wanderns. Nach Kuczynsiki verlief „die Grenzlinie […] zwischen dem sozial verträglichen, dem aufklärerischen und ästhetisch zweckbestimmten Wandern und dem Wandern, bei dem das Individuum die persönliche Herausforderung um ihrer selbst willen, den Genuss, der Gefahr und eine neue, andere Identität suchte“.

Alpinismus und der moderne Tourismus

Ab 1850 setzte in den Alpen das sogenannte „Goldene Zeitalter des Alpinismus“ ein. Es begann die große Zeit der Erstbesteigungen, welche besonders von großem sportlichen Ehrgeiz und Eroberungsgedanken gekennzeichnet war. Zudem war dies auch der erste Schritt hin zum Massentourismus in den Alpen.

Ein wichtiger Motor für die Entwicklung des Tourismus und Wanderns war das sich rasant ausbreitende Netz der Eisenbahn und damit die Möglichkeit, in kurzer Zeit weite Entfernungen komfortabel zurückzulegen. Auch der „normale“ Bürger konnte nun sommerliche Erholungsurlaube auf dem Land, „die Sommer frische“, erleben. Städtische Bürger konnten komfortabel und zügig in die Wälder, die Berge oder ans Meer fahren. Der Grundstein für den „modernen“ Tourismus war gelegt: „das Reisen als freiwillige, persönlich motivierte Form des Ortswechsels“.

Wandern und weitwandern waren nun nicht mehr bloße Notwendigkeit, sondern Genuss, Sportart und bewusstes Naturerlebnis. Es diente nun als Mittel, um sinnliche Erfahrungen und Anschauungen zu sammeln, hatte also rein freizeitliche Motive.

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Beitragsbild: entlang der Via Natura – (c) Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen
Quelle Text: Forschungsbericht des Deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Grundlagenuntersuchung Freizeit-und Urlaubsmarkt Wandern)

 

14. September 2014