Aufgeben tut man einen Brief… Über Gipfelsiege & und faszinierende Lichterscheinungen.

Weitwandern Blitzschuhe (Sillianer Hütte, Osttirol) Marktl Martin

Wer kennt sie nicht – Sprüche wie „Aufgeben tut man nur einen Brief“ oder „Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung“? Was uns Weitwanderer & Weitwandererinnen bewegt oder vielleicht doch nicht bewegen sollte – darüber macht sich Martin in diesem Beitrag Gedanken.

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl.

 

Das Amen im Gebet

Auch wenn der Titel das vermuten lässt: Heute geht’s hier nicht um Pilgerwege, sondern um Prophezeiungen. Und zwar von Sprüchlein und Merksätzen, die ein jeder von uns irgendwann schon einmal zu hören bekommen hat. Und daher genau weiß, bei welcher Gelegenheit man sie in der Regel zu hören kriegt. Ein Beispiel? Nehmen wir an, zwei wettkämpfende Mannschaften treffen aufeinander, die Sportart ist dabei ganz egal. Für das eine Team läuft’s richtig gut, fürs andere – logische Konsequenz – nicht so besonders.

Doch die Mannschaft, die gerade auf die Niederlage zusteuert, trägt ein großes Kämpferherz in sich, also sprechen sich die Spieler gegenseitig Mut zu. Und dabei wird – Stichwort Amen im Gebet – zwischen Bregenz und Hainburg ein Satz mit SICHERHEIT fallen. Und zwar jedes Mal, wenn sich ich nur der Funken einer Chance dazu bietet, ihn unterzubringen, nämlich: Aufgeben tut man einen Brief.

Google liefert für die Redewendung heute aktuell 119.000 Treffer. Wobei, kennt Ihr irgendjemanden, der echt noch Briefe schreibt? Also mir fällt außer der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen, die wiederholte Male unverschämte Bettelschreiben an mich, den Fahrzeuglenker, richtete, niemand ein.

Beim Wandern gibt’s solche Stehsätze natürlich auch. Immer wenn es ein paar Tage wie aus Kübeln schüttet, wird irgendwo irgendwer den Hirtenbrief der Wanderprediger verlesen, der mit den Worten: Es gibt kein schlechtes Wetter – es gibt nur schlechte Kleidung eingeleitet wird.

Abgesehen davon, dass dieses Sprüchlein schon etwas abgewohnt ist, erzählt man sich im gesamten Wanderuniversum wohl keinen größeren Blödsinn. Sprüche wie diese täuschen insbesondere Anfänger über die Tatsache hinweg, dass man sich bei Schlechtwetter im Gebirge realen Gefahren aussetzt. Jeder, der schon einmal auf einem Gebirgsgrat ein überraschendes Wärmegewitter er- und überlebt hat, weiß das. Und niemand von uns hatte in diesen Sekunden zufrieden in sich hineingemurmelt: „Na Gottseidank hab‘ ich meinen guten Hut auf, sonst wär’s hier bestimmt nicht so lustig g‘rad!“ Oder, um es mit den Worten von Josef Ebner zu sagen:

„Ein Klettersteig bietet bei einem herannahenden Gewitter faszinierende Lichterscheinungen, wie man sie in der Regel nur einmal erlebt.“

In dieselbe Kategorie fällt der Gipfelsieg, der dem Wanderer implizit – und halt leider manchmal etwas zu voreilig – auch ein sicheres Hinunterkommen prophezeit (sonst wäre es ein teuer erkaufter „Sieg“). Das ist natürlich jedem zu wünschen – doch auf welcher Basis eigentlich? Es ist anzunehmen, dass sie die Zahl der verunglückten Bergkameraden (Wanderer, nicht Kletterer) im Auf- bzw. Abstieg zumindest die Waage hält. Wobei für mich einige Gründe dafür sprechen würden, die Zahl der Opfer nach dem „Gipfelsieg“ sogar höher einzuschätzen. Stichwort Ermüdung, Wetterumschwung, Einbruch der Dunkelheit, oder natürlich die Änderung des Schwierigkeitsgrades, wie z. B. die bei Schitouren bei Tageslicht ständig steigende Lawinengefahr.

Ich lasse die Wanderschuhe bei dem Sauwetter jedenfalls noch ein paar Tage im Schrank, also zumindest, bis aus der Azorengegend endlich wieder bessere Nachrichten kommen. Außerdem will ich am Sonntagabend dabei sein, wenn sich die Österreicher gemeinsam – und doch aus völlig unterschiedlichen Motiven – auf die wirklich allerletzte Übertragung aus Brasilien freuen.

Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

 

Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

Weitwandern Blitzschuhe (Sillianer Hütte, Osttirol) Marktl Martin

Weitwandern Blitzschuhe (Sillianer Hütte, Osttirol) Marktl Martin

 

Weitwandern - eine schwierige "Stop or Go"-Entscheidung - (c) Martin Marktl in Aresbach, Waldviertel

Weitwandern – eine schwierige „Stop or Go“-Entscheidung – (c) Martin Marktl in Aresbach, Waldviertel

 

Eine ganztägige Regenetappe im Waldviertel - von und mit Martin Marktl

Eine ganztägige Regenetappe im Waldviertel – von und mit Martin Marktl

 

 Weitere Weitwandern-Geschichten findet Ihr HIER!

HIER geht’s zum Beitrag: Mit Sicherheit mehr Spass beim Wandern & Weitwandern.

Und HIER geht’s zu den Sicherheitstipps der Österreichischen Bergrettung!

 

Ausgezeichnete Mehr-Tages-Touren, Weit- und Fernwanderwege virtuell erwanderbar auf www.weitwanderwege.com und zusammengefasst in der neuen Weitwandern-Broschüre 2015, die Ihr bereits jetzt kostenlos unter weitwandern2015@weitwanderwege.com vorbestellen könnt.

Zum Weitwandern-Portal gibt’s auch eine Broschüre!

Jetzt kostenlos unter http://www.weitwanderwege.com/?anfrage, via E-Mail an office@weitwanderwege.com bzw. unter +43 (0)4242 257531 anfordern oder unseren Weitwandern-Newsletter bestellen!

Titelbild Weitwandern Wandern

Uns gefällt Weitwandern!
Dir auch?

Facebook: Weit Wandern in und durch Österreich
Twitter: @weitwanderwege
Google+: Weit Wandern in und durch Österreich – www.weitwanderwege.com

1_Weitwanderlogo

 www.weitwanderwege.com
Das Weitwandern-Portal

T: +43-(0)4242-2575-30, I: www.weitwanderwege.com, E: office@weitwanderwege.com

Unterwollaniger Str. 53, A-9500 Villach

Leiste TAO ÖWD BUND EU - NEU Kopie

 

Bildinfo:

© Martin Marktl:

Blitzschuhe (Sillianer Hütte, Osttirol);

Schwierige Stop-or-Go Entscheidung (Schwarzweiß) in Arbesbach, Waldviertel;

Ganztägige Regenetappe – Waldviertel

12. Juli 2014