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Sechs Frauen und ein Wilder Kaiser. Bianca berichtet von Ihrer ersten Weitwanderung…


Wie beschreibt man am besten die „Faszination Weitwandern“? Diese Freude. Das Glücksgefühl. Diese innere Zufriedenheit, die sich trotz (oder gerade wegen) aller Strapazen und Anstrengungen einstellt und noch lange danach anhält? Wohl am besten in Form von erzählten Erfahrungen und Eindrücken, von Menschen, die genau das erlebt haben…

Ein fantastischer Beitrag von Bianca Morawetz!

Ein etwas anderer Erfahrungsbericht von sechs Frauen am Berg

Im Taunus zu wandern ist schön. Im Taunus mit kleinen Kids zu wandern ist auch schön. Aber in den Alpen zu wandern – das ist tausend Mal schöner. Durch die Einbindung in Familie und Kindererziehung kommt dies aber viel zu kurz. Durch Facebook kann ich immer die schönsten Bergbilder und Geschichten von anderen verfolgen und sah eines Tages die Empfehlung der „3 Tage-Hüttentour am Wilden Kaiser„. In einer Mama-Kindergarten-Stammtisch-Laune wurde herumgesponnen und die Idee in die Tat umzusetzen rückte näher. Warum warten und nicht jetzt? – Jetzt damit anfangen, ein paar kleine Wünsche zu verwirklichen.

Von der Idee bis zur Umsetzung vergingen keine vier Wochen. RuckZuck fanden sich fünf Mitstreiter-Mamas, die nicht wussten, auf was sie sich einlassen. Bergausrüstung, Vorstellung von Höhenmetern? – nicht die Bohne. Aber Lust hatten wir – und wie! 3 Tage dem Alltag entfliehen – einfach laufen und mal wieder im Kopf zu klaren Gedanken kommen. Das war unser Ziel.

Dank der tollen kompletten Tourenbeschreibung auf www.wilderkaiser.info und dem angeforderten Kartenmaterial gings in die Planung. Gruttenhütte und Gasthof für die zweite Übernachtung wurden vorab reserviert. Trekkingrucksäcke, Regenkleidung wurden zusammengeliehen und besorgt. Schuhe und Tourenhosen schnell noch gekauft. Trekkingstöcke – wozu? Hüttenschlafsäcke – wie bitte? Der Rucksack sollte 30/40 l nicht übersteigen und mehr als 10 kg sollen auch nicht rein? Damit kommen Männer klar – aber Frauen? Ich glaube, das war die härteste Herausforderung von allen.

Aber: Wir haben es geschafft und sogar noch nen Reisefön dazu gepackt! Die Heimwaagen wurden gequält, um die Zuladung des Rücken“köfferchens“ zu überwachen. Sitzt, passt – hat Luft. Prima zu tragen….damit können wir Wochen über die größten Hügel laufen.

Der Urlaub begann bereits nachts in dem Moment, als wir alle sechs in den Großraum-Van stiegen und gen Süden bliesen. Immer dem fantastischen Sonnenaufgang entgegen, der uns bei München begrüßte.

Freitags, 10 Uhr, erreichten wir den Ausgangspunkt am Badesee in Going (750m). Das fantastische Panorama, die warme Sonne und eine super Stimmung in der Truppe ließen uns gut gelaunt loslaufen. Unser Etappenziel: Die Gruttenhütte auf 1.620 m – was das für ne Ansage ist und warum alle vorbei Wandernden das als „Respekt“ ansahen, wussten wir abends dann auch!

Das Abenteuer Weitwandern kann beginnen...

Das Abenteuer Weitwandern kann beginnen…

Nach rd. 1 1/2 Stunden des gemütlichen Wanderns erreichten wir die wirklich schöne und gemütlich ausgestattete Jausenstation „Graspoint Niederalm“ auf 1.075 m. Zuckerhaltige Getränke, um erste Reserven aufzufüllen, wurden gerne genommen, die ersten Hosenbeine hochgekrempelt und Tücher auf dem Kopf platziert, um der mittlerweile gut brennenden Sonne Paroli zu bieten.

Graspoint Niederalm

Graspoint Niederalm

Vorbei an der unbewirtschafteten „Oberen Regalm“ (1.313m) gings immer bergauf vor dem imposant wirkenden Massiv des „Kaisers„. Eine unbeschreibliche Kulisse, die man nur zu gerne in sich aufsog und genoss. Die gewaltigen Felsen immer im Blick gings zum ersten Mal richtig anstrengend und steil hoch zum fantastisch gelegenen „Bergsteigergrab“ auf 1.572m. Hier merkten wir das erste Mal unsere Leistungsgrenze und vielleicht kam auch ich „nur kurz“ auf die Idee, diese Tour zu überdenken. Aber dieser Gedanke war sofort verflogen, als wir oben angekommen das unbeschreibliche Panorama auf die Kitzbühler Alpen und noch weiter bewundern konnten. Wie gut, dass Magnesium und unsere unermüdliche gute Laune in der Gruppe ihren Dienst taten.

Das Bergsteigergrab

Das Bergsteigergrab

Juchu – die Gruttenhütte können wir von hier erblicken. Doch Stop: Dorthin heute noch – dazwischen ist noch eine Schlucht? Also erst mal wieder bissle absteigen zur sehr gut bewirtschafteten „Gaudeamushütte“ auf 1.263m. Ich glaube hier haben wir alle die lecker zubereiteten Nudeln nur so verschlungen. Tja, wo verbrannt wird – muss nachgefeuert werden! Einen kurzen Moment dachten wir ans spontane Übernachten dort. Aber nein der letzte Aufstieg zur Gruttenhütte musste sein. Sind ja nur noch 1 1/2 Stunden – sagt der Hüttenwirt der Gaudi-Alm (unsere Umbenennung der Hütte). Dass diese Zeitangaben in den Bergen wohl sehr freizügig gewählt werden, hat wohl jeder schon mal erlebt, der sich an den feinen Beschilderungen in den Bergen orientieren musste.

Der Aufstieg erfolgte ohne „Klammerl Durchquerung“, da wir keinerlei Helme besaßen oder sonstige Kletterausrüstung. Völlig ausgepowert und voller Vorfreude erreichten wir gegen 18:30 Uhr kurz vor Küchenschluss die lang ersehnte Schlafanstalt – unsere Gruttenhütte -. Die vorgegebene Gehzeit mit 6 1/2 Stunden ist richtig. Der Ausblick ins Tal war faszinierend und freudig bezogen wir das wirklich gemütliche Schlaflager Nr. 14. Natürlich nicht ohne vorher die leckere Fritattensuppe und den Schweinsbraten gekostet zu haben.

Die Gruttenhütte

Die Gruttenhütte

An diesem Abend erlebten wir alle zum ersten Mal, was ein richtiges „Glücksgefühl“ ist und wie befreiend und zufrieden man mit sich und den Gegebennheiten sein kann. Wir erlebten einen der schönsten Abende und haben in unserem Leben noch nie so herzhaft gelacht und dabei jede Menge Tränen vergossen – vor Freude.

Ich wusste jetzt, was es bedeutet: „Ohne diese Anstrengung keine Ausschüttung dieser besonderen Glücksgefühle“!

Mit dieser enormen Antriebskraft starteten wir am nächsten Tag (Samstag) gegen 9 Uhr – nach einem einfachen aber guten Frühstück – zur zweiten Etappe entlang des „Kaisers“ bis zum „Hintersteiner See“ (9,8 km). Das Wetter hatte gedreht, Nebel und Regen zwangen uns dazu, die Vollgummi-Ausrüstung anzulegen. Kein Problem – wir waren bestens ausgerüstet. Die zweite Lachanfall-Welle wurde wegen der Ansicht der „buckligen Weiber“ ausgelöst und die saunaähnlichen Zustände unter der Kleidung fügten den Rest hinzu. Auf gings auf nassen rutschigen Wegen, die jedoch immer sehr gut ausgeschildert waren.

... mit Vollgummi-Ausrüstung

… mit Vollgummi-Ausrüstung

Die Stille und der immerwährende Blick auf das Massiv beglückten uns sehr und ließen uns in einem guten Tempo vorankommen. Die Nebelschwaden lichteten sich ab und an und man konnte traumhafte Aussichten genießen. Grasende Gämsen säumten unseren Weg. Wundervoll bewirtet wurden wir unterwegs auf der Steiner Hochalm (1.257 m) mit einem selbst gebrannten Birnenschnaps – leider konnten wir wegen des Regenwetters nicht lange verweilen. Ohne zu Laufen wurde es schnell kalt. Gemütlich gings bergab, bis wir am traumhaft gelegenen „Hintersteiner See“ auf 883 m ankamen. Die Herberge für die Nacht wurde bezogen – die Dusche herzlich begrüßt. Im Gasthof „Bärnstatt“ kulinarisch bestens verwöhnt.

"Lichtblicke" im Nebel...

„Lichtblicke“ im Nebel…

Doch von der Tagesanstrengung noch nicht müde ließen es sich drei Freundinnen nicht nehmen, dem eiskalten See ein erfrischendes Bad zu gestatten. Was hatten wir eine Gaudi.

Hintersteiner See

Hintersteiner See

Müde fielen wir in die Betten. Nach einem herzhaften Frühstück am anderen Morgen besprachen wir die leider letzte bevorstehende Etappe. Aufgrund des anhaltenden Regens haben wir die eigentliche Route (14 km) um den Aufstieg zur „Walleralm“ gekürzt und sind direkt an der Rehbachklamm eingestiegen. Trotz der Mühen und Anstrengungen der letzten Tage war es eine Leichtigkeit zu laufen und man schwang fast beflügelt zum Dorf Scheffau, wo uns der „Wanderbus“ erwartete. Mit ihm fuhren wir zum Ausgangspunkt Going zurück.

Glückseeligkeit bei jedem Wetter... ;-)

Glückseeligkeit bei jedem Wetter… 😉

Wir sind mit einer Glückseeligkeit heimgereist, die uns bis heute erfasst.

Es war ein einschneidendes Erlebnis mit unbeschreiblichen Eindrücken. Keine Mutter-Kind-Kur, keine Wellness-Oase in einem teuren Hotel kann dieses Erlebnis toppen. Wir sind uns einig – wir kommen wieder und zwar alle Sechs! Die nächste Tour fürs kommende Jahr ist bereits in Planung.

Servus und Pfüard Euch….

 

Wir danken Bianca Morawetz für diesen herrlichen Reisebericht und die tollen Bilder!!

Weitere Weitwandern-Geschichten findet Ihr HIER!

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Weitwandern Gruttenhütte am Wilden Kaiser (c) Bianca Morawetz

Weitwandern Gruttenhütte am Wilden Kaiser (c) Bianca Morawetz

Bildinfo:

Alle Bilder in diesem Beitrag © Bianca Morawetz

 

 

29. Oktober 2014

Weitwanderwege.com

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