Das ist ja DER Gipfel! Gute Karten für hohe Wetteinsätze… :)

Wandern und Weitwandern in Österreich. Salzburg. Region Filzmoos - Bischofsmütze (c) TVB Filzmoos

Nehmen wir mal an, zwei Bergfreunde stehen auf einem der zahllosen Gipfel unseres Landes und verheddern sich in einer angeregten Diskussion, ob man von ihrem Standort aus den Großglockner sehen könnte – oder nicht. Keiner der beiden weiß es so recht, sicher ist nur, dass er sich irgendwo im Westen befinden müsste. Ansonsten bewegt sich die Diskussion jedoch zwischen „… dass es irgendeiner der weißen Spitz‘ da hinten schon sein wird …“ und „… den Glockner erkenne ich vom Mond aus auch, wenn’s sein muss – von denen da drüben isses garantiert keiner …!“.

 Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen… – von und mit Martin Marktl

Gute Karten für hohe Wetteinsätze.

Wie den meisten sicher bekannt ist, kann man sich seit einiger Zeit in Streitfragen an Peakfinder wenden, einer Handy-App, die einem die Namen der Berge rundherum verrät. Doch auch ohne Smartphone lässt sich dieselbe Szenerie spätestens von zuhause aus auf den Bildschirm holen. Zu sehen bekommt man hier wie dort dasselbe: Nämlich die Namen aller Gipfel, die man von einem bestimmten Standort – und das muss kein Berggipfel sein – sehen kann.

Was machen wir nun aber, wenn sich unser gesuchtes Objekt, also in diesem Beispiel der Großglockner, eben nicht unter den angezeigten Gipfeln befindet? OK, das wird wohl heißen, dass man ihn von hier aus nicht sehen kann, aaaaber: Wie finden wir nun raus, warum? Welcher der Hügel da drüben, die wir ja jetzt alle beim Namen kennen, nimmt uns denn da die Sicht?

Um die Sache anhand eines konkreten Berges durchzuspielen, möge man mir bitte auf den Schoberriegel folgen, einem der wenigen Gipfel in den Kärntner Nockbergen, von dem aus man den Großglockner auch bei Kaiserwetter nicht sehen kann. Um herauszukriegen, woran es dort scheitert, muss man aber gar nicht rauf, das lässt sich auch am Schreibtisch erledigen.

Zu allererst sehen wir nach, welche Berge denn überhaupt als „im-Weg-Steher“ in Frage kommen. Dabei hilft uns jede Internetkarte, die es uns erlaubt, den Blick Richtung Glockner in Form eines Striches auf die Karte zu zeichnen. Das geht beispielsweise mit den Karten der KAGIS, dem Kärntner Geo-Informationssystem (solche Karten werden auch in allen anderen Bundesländern angeboten, mit vergleichbarer Bedienung).

Auf der KAGIS Seite klicken wir auf Kärnten Atlas, und danach auf Detailsuche und geben als Ort unseren Gipfel, den Schoberriegel ein. Mit Suchen und Anzeigen zaubert uns KAGIS den Riegel in die Bildmitte. Nun können wir mit dem „Zeichnen“-Tool und einer neuerlichen Suche (‚Großglockner‘) eine Linie von A nach B ziehen. Ist der Strich gezogen, lässt er sich mit „Sketch abschließen“ auf die Karte fixieren.

Nachdem man im Werkzeugmenü unter „Karte“ den erhobenen Zeigefinger ausgewählt hat, kann man dem Strich – wir erinnern uns, das wäre unsere Sichtlinie – entlangfahren und nachsehen, welche Berge denn da alle im Weg stehen (dazu besser die Darstellung auf 1:50 000 ändern, sonst scrollt man bis zum Abendessen). In unserem Fall kommen zwei Kandidaten in Frage: Vom Schoberriegel aus steht zuerst die Hohe Pressing im Weg herum, doch blöderweise bald später auch das wesentlich höhere Säuleck.

Nachdem das geklärt ist, können wir uns nun via Peakfinder oder dem wesentlich detaillierteren Panoramafinder von Ulrich Deuschle) einfach einen Berg weiter vorne aufstellen und schauen, ob man denn von dort aus endlich den Glockner sehen kann. Das geht bei Peakfinder ganz einfach mit Klick auf den jeweiligen Bergnamen und einen weiteren Klick aufs „Gehe zu“-Männchen. Dort angekommen, stellen wir mit Blick gen Westen feste, dass sich der höchste Berg des Landes immer noch nicht zeigt. Also weiter aufs Säuleck, von wo aus er nun endlich zu sehen ist (allerdings auch erst, wenn man das virtuelle Fernglas links oben zückt und den höchsten Gipfel im Westen anvisiert).

Wandern und Weitwandern in Österreich (c) Martin Marktl - Gipfel

© Martin Marktl, Gipfelblick im Süden Österreichs (Karawankenblick vom Sinacher Gupf, Panoramaweg Südalpen)

Die hier vorgestellten Tools bewähren sich auch in vielen anderen Szenarien. Hier zum Abschluss noch ein paar Standardfragen, und wie man die dazugehörige Antwort findet:

  • Wie weit ist denn der Große Knallstein vom Grimming entfernt?

Bei Sichtverbindung, die bei diesem Beispiel gegeben ist, lässt sich das am schnellsten mit dem Peakfinder herausfinden, der zu jedem Gipfel die Entfernung vom jeweiligen Standort angibt (via Fernglas-Tool). Ist keine Sichtverbindung vorhanden, bietet beispielsweise KAGIS ein Werkzeug zum Messen der Entfernung zweier frei wählbarer Punkte an.

  • „Wenn ich vom Tschiernock Richtung Norden schaue – was ist denn der entfernteste Berg, den ich dort zu sehen kriege?“

Auch das weiß Ulrich Deuschle, der in seinen Panoramakarten den weitest entfernten Punkt farblich hervorhebt. MartinMarktl_Blick Tschiernoch nach N

(Blick vom Tschiernock nach Norden)

  • Diese Bergpanoramen sind ja ganz nett – aber wie sieht das ganze von da oben in Natura aus?

Eine umfangreiche Datenbank an Bergpanoramen lässt sich auf www.alpen-panoramen.de/ abrufen. Gipfelnamen eingeben, fertig. Ist der gesuchte Berg noch nicht erfasst, werden die nächstgelegenen Gipfel ausgegeben.

Ein hübsches Beispiel: Nockalm-Rundumblick

  • Wo kann ich mir im Internet ansehen, welche Wanderwege es an einem beliebigen Ort in Österreich gibt?

Das geht beispielsweise auf der Livemap des Kompass-Verlages (Suche in der Karte meines Wissens nicht möglich – manuell hinscrollen!)

 MartinMarktl_LiveKartekompass.de

(Live-Karten auf kompass.de)

  • „Kann ich mir die Österreich-Karten (ÖK) des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen (BEV) auch irgendwo elektronisch ansehen?

Ja, auf www.amap.at – wesentlich bedienungsfreundlicher wurde das Datenmaterial des BEV allerdings von www.bergfex.at (Klick auf Karte) aufbereitet.

  • Die hier vorgestellen Links sind alle voll gut, doch ich kenne etwas viel Besseres! Was soll ich nur tun?

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Aus unserer Blog-Reihe: Das Weite suchen – mit Martin Marktl.
Fortsetzung folgt!

Weitere Weitwandern-Geschichten findet Ihr HIER!

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Martin Marktl ist leidenschaftlicher Mehrtages-Wanderer und ist vorzugsweise auf heimischen Pfaden unterwegs. Im Laufe der letzten Jahre kamen auf Österreichs Weitwanderwegen schrittweise rund 5.000 Kilometer zusammen. Manchmal geht’s auch über die Grenze: Im Vorjahr gelang Martin im Rahmen eines Buchprojekts die Erstbegehung des Alpe-Adria Trails. Er lebt als glücklicher, frei(laufend)er Journalist und Buchautor in Kärnten und Wien.

Wandern und Weitwandern in Österreich. Salzburg. Region Filzmoos - Bischofsmütze (c) TVB Filzmoos

Wandern und Weitwandern in Österreich. Salzburg. Region Filzmoos – Bischofsmütze (c) TVB Filzmoos

Grafiken im Beitrag © kompass.de, Ulrich Deuschle

Beitragsbild © TVB Filzmoos,  im Hintergrund die Bischofsmütze

 

 

7. April 2015