Schritt 1: Wie finde ich den "richtigen" Weitwanderweg

Wandern der Sonne entgegen © shutterstock

Körperliche Verfassung Wie viel traue ich mir zu?

Eine realistische Selbsteinschätzung ist das A und O bei der Planung einer Weitwanderung. Vielen neigen dazu den Weg zu unterschätzen oder sich zu überschätzen. 1000 Höhenmeter und 20 km klingen am Papier vielleicht nicht so viel, aber für ungeübte Weitwanderer, die auch das Gewicht des Rucksacks meist unterschätzen kann eine solche Tagesetappe auch eine Herausforderung sein.

 

Pausentage einlegen Mut zur Auszeit

Nur weil der Weg in 5 Tagen begehbar ist, muss die Wanderung nicht auch strickt in 5 Tagen durchgezogen werden. Gönnt euch auch mal einen Pausentag, bleibt eine Nacht länger auf der Hütte und genießt die Almidylle. Durch eine längere Erholungsphase habt ihr mehr davon.

Hütteneinkehr nach einer Weitwanderung©sonja-guina-2235-unsplash Hütteneinkehr nach einer Weitwanderung©sonja-guina-2235-unsplash
samuel-clara-69657-unsplash

Die erste Weitwanderung Aller Anfang ist schwer...

Solltet ihr die erste Weitwanderung planen, lasst es ruhig angehen. Wählt eine kürzere, nicht allzu anspruchsvolle Tour, damit ihr euch selber besser kennenlernt und eure körperliche Kondition besser einschätzen könnt. Macht im Vorhinein schon kleinere Wanderungen und packt probehalber den Rucksack für eine Mehrtagestour. Dann seht ihr gleich, wie gut ihr mit dem Gewicht umgehen könnt, oder ob weniger doch mehr ist 🙂

Weitwanderungen für Anfänger und Genießer

Gut informieren

Informiert euch gut über das Gebiet und studiert die Wegbeschreibungen vorher. Bei Unklarheiten helfen euch die Tourismusverbände, die genau wissen, ob die Wege ausgesetzt sind, ihr schwindelfrei sein müsst oder ob es gar die ein oder andere leichte Kletterpassage gibt. Eine gute Recherche ist wichtig damit ihr die richtige Ausrüstung wählen könnt und auf alles vorbereitet seid.

Für einen reibungslosen Ablauf gibt es Wanderwege-Apps sowie interaktive Wanderkarten, die nützlich sein können:

Die besten Wanderwege-Apps
Vorbereitung Weitwanderung©mael-balland-CyBrYEbX33I-unsplash

3 Apps kurz vorgestellt

Livemap vom Kompass-Verlag

In dieser Livemap kannst du neue Touren auf einer Karte finden und planen. Hier ist für jeden Wandertyp etwas dabei.

Livemap vom Kompass-Verlag

 

Panoramafinder

Finde dein Ziel auf der Landkarte und schau dir virtuell den Ausblick an, der dich an diesem Punkt erwartet.

Detailierter Panoramafinder

 

Peakfinder

Ausgehend von jedem beliebigen Ort, zeigt dir diese App alle umliegenden Berge mit ihren Namen an.

Peakfinder - Die App

Schritt 2: Die Planung einer Weitwanderung

Bergsee am katwalk © Kitzbüheler Alpen Marketing GmbH

Pauschalpaket vs. individuelle Planung

Es gibt inzwischen schon zahlreiche buchbare Weitwander-Packages, die ihr buchen könnt. Ob eine Weitwanderung mit Gepäcktransport und 4-Sterne Hotel oder eine Tour von Hütte zu Hütte – gerade wenn ihr noch nicht so erfahrene Weitwanderer seid, empfiehlt es sich auf diese Angebote zurückzugreifen.

Individuelle Angebote

Für individuelle Bedürfnisse ist dennoch viel Platz ist – beim Alpe Adria Trail könnt ihr ganz nach euren Wünschen planen. Wie viele Tage es sein sollen, wann ihr welche Etappe machen möchtet, in welcher Unterkunft ihr gerne übernachtet, ob euch euer Hund begleiten wird oder ob ihr nur vegetarische oder vegane Verpflegung wünscht – nach Absprache ist bei unseren Angeboten alles möglich.

Zu den Weitwandern-Angeboten

Individuelle Planung der Weitwanderung Darauf müsst ihr achten...

Tipp: Unterkünfte und vor allem Hütten unbedingt rechtzeitig reservieren.
Die meisten Hütten können bereits online reserviert werden. Nehmt ihr eine Reservierungen nicht in Anspruch, sagt sie rechtzeitig ab und beachtet die Stornobedingungen.

Alpenverein-Mitgliedschaft

Wenn mehrere Hüttenübernachtungen in Alpenvereinshütten geplant sind, empfiehlt sich eine Mitgliedschaft beim Alpenverein, die jährlich um die € 50 Euro kostet. Die Mitgliedschaft inkludiert eine Versicherung und vergünstigte Übernachtungen und Verpflegung.

Alle Infos zu Hüttentouren und Hüttenübernachtungen
NLW_Wolayersee©Karmen Nahberger

Nicht vergessen An was ich unbedingt noch denken muss

Auch wenn die Route schon feststeht ist es wichtig sich kurz vorher nochmal auf die Wanderung einzustellen und vorzubereiten. Folgende Punkte sollten kurz vor der Wanderung noch beachtet bzw. organisiert werden:

  • Wetterprognosen anschauen
  • Die wichtigsten Telefonnummer notieren (Hüttenwirt, Tourismusbüro, Bergrettung,…)
  • Die richtige Kleidung und Ausrüstung für eine Mehrtageswanderung wählen – angepasst an das Wetter 
  • Zeitplan erstellen – genügend Zeit einplanen, niemand möchte gehetzt auf einer Hütte ankommen oder gar “über den Berg gejagt werden” – Plant euch Pausen ein um die Landschaft zu genießen und Fotos zu machen
Weitwanderin ©holly-mandarich-UVyOfX3v0Ls-unsplash

Schritt 3: Die Vorbereitung Die Weitwanderung steht an - was muss ich beachten

Vorbereitung Weitwandernung © unsplash

Packliste - was muss mit Ich packe meinen Rucksack....

Diese Packliste ist für Weitwanderer gedacht, die sich nicht abseits der Zivilisation aufhalten und sich nicht tagelang selbst versorgen müssen, sondern abends in einem Hotel oder auf der Hütte übernachten und dort auch eine anständige Mahlzeit als Belohnung zu sich nehmen können.


Rucksack Das A und O beim Wandern

Welche Rucksackgröße brauche ich? Darauf musst du bei der Wahl des Rucksacks achten

Für Mehrtagestouren (2-5 Tage)

Bei Mehrtagestouren reicht ein Rucksack mit 20 Litern (für Minimalisten) bis 29 Litern. Dieser bietet ausreichend Platz für Wanderkleidung, Proviant, Trinkfalschen & Co.

Für eine Weitwanderung (ab 6 Tagen)

Wenn ihr eine einwöchige Hüttentour in den Bergen plant, dann reichen die kleineren Rucksäcke meist nicht mehr aus und ihr solltet auf die nächst größere Kategorie zurückgreifen und einen Rucksack mit 30 bis 39 Liter Fassung wählen.

Tipps für den Rucksack-Kauf: 

  • Der Rucksack muss zu der Rückenlänge passen
  • Frauen sollten auf die Damen-Version zurückgreifen, die der weiblichen Anatomie angepasst sind und deshalb besser sitzen
  • Der Rucksack sollte richtig eingestellt werden – am besten gleich beim Kauf beraten lassen.
    Wichtig: Der Hüftgurt muss perfekt eingestellt sein, denn deine Hüfte trägt später 70-80 % des Gewichts.
Rucksack Weitwanderung©unsplash
Weitwander-Rucksack©toomas-tartes-Yizrl9N_eDA-unsplash

Wieviel Gewicht darf der Rucksack haben? Soviel wie unbedingt nötig, so wenig wie möglich

Es gibt eine Faustregel für das maximale Rucksackgewicht, an der man sich orientieren kann. Körpergewicht geteilt durch 4 (gut trainierte Personen) bzw. Körpergewicht geteilt durch 5 (trainierte Personen) ergibt das optimale Rucksackgewicht.

Allgemein gilt: soviel wie unbedingt nötig aber so wenig wie möglich einpacken.


Packliste für die Weitwanderung Das muss mit...

Weitwandern © Shutterstock

Sonnenschutz & Toiletteartikel

  • Sonnenbrille mit gutem UV-Schutz
  • Ersatzbrille für BrillenträgerInnen und LinsenträgerInnen
  • Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor & Lippenschutz
  • Taschentücher
  • Persönliche Toiletteartikel
  • Je nach Bedarf: Insektenschutzmittel, Ohrstöpsel

Reiseapotheke

  • Empfohlene Arzneimittel gegen Durchfall, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Erkältung, Fieber, Allergien, Insektenstiche, Sonnenbrand, Kreislaufbeschwerden etc.
  • Wander-Erste-Hilfe-Set mit Verbandsmaterial, Pflaster, Blasenpflaster
  • Desinfektionsmittel & Leukoplast (als Universalreparatur- & Blasenvorbeugemittel)
  • Persönliche Medikamente
  • Je nach Bedarf: Vitamintabletten, Mineralstofftabletten (Magnesium), Elektrolytpräparate
Erste Hilfe Set für Wanderer©first-aid-kit-59646_1920
Weitwandern und Zelten©unsplash

Für Zeltnächte

  • Daunen- oder Kunstfaserschlafsack (Komforttemperatur 0° bis -7° C)
  • Innenschlafsack (Seide oder Baumwolle)
  • Kleines Handtuch, eventuell Waschlappen
  • Toilettenpapier
  • Bei Bedarf: Liegematte

Weitwandern-Ausrüstüng © Unsplash

Bekleidung & Wanderausrüstung

  • Wanderhose, lang und kurz (vorteilhaft sind Hosen mit abnehmbaren Beinen)
  • T-Shirts – idealerweise aus Merinowolle fürs Wandern und aus Baumwolle für danach
  • Langarmshirt (dient auch als Sonnenschutz!)
  • Softshell- oder Fleece-Jacke mit Kapuze
  • Primaloft bzw. dünne Daunenjacke für alle Fälle
  • Funktionsjacke (regendicht & atmungsaktiv)
  • Regenschutz: Regenhose oder Regenponcho 
  • Unterwäsche
  • Trekkingsocken & normale Socken
  • Wanderschuhe: knöchelhohe, stabile Wanderschuhe mit guter Sohle sind ideal – siehe Schuhtipps
  • leichtes Paar Schuhe für den Abend
  • Schlafbekleidung (warm & bequem)
  • Kopfbedeckung (Kappe, Tuch, Mütze, Multifunktionstuch) als Schutz gegen Kälte und Sonne
  • Wäschesack für Schmutzwäsche
  • Nach Bedarf: 
    • Trekkingsandalen (für etwaige Flussdurchquerungen)
    • Teleskopwanderstöcke
    • dünne Handschuhe
Information Weitwandern©unsplash

Wird oft vergessen...

  • Gültiger Reisepass (inkl. Kopie)
  • Ausweise, Reisedokumente
  • Literatur (Reiseführer, Buch, Sprachführer)
  • Taschenmesser 
  • Wecker, Uhr
  • Fotoapparat inkl. Speicherkarten, Akkus & Ladegerät
  • Trinkflasche oder CamelBak
  • Stirnlampe (inkl. Ersatzbatterien)
  • Powerbank mit Adpater für Kamera und Smartphone, wenn mal der Saft ausgeht

Wanderschuhe Gute Qualität & perfekte Passform

6 Tipps für den richtigen Schuhkauf von unserem Wanderschuhexperten, Alexander Würtinger von LOWA

  • Je schroffer und unwegsamer das Gelände, desto stabiler muss der Schuh sein
  • Beim Bergabgehen sollte der Schaftbereich von der Beuge aufwärts fester geschnürt werden, um die Ferse in Position zu halten. So rutscht der Fuß nicht so weit nach vorne, was Blasen und blauen Zehennägeln verhindert.
  • Socken sind die wichtigste Verbindung zwischen Fuß und Schuh. Hier sollte die Wahl auf funktionelle Wandersocken fallen, die wie eine zweite Haut sitzen, Feuchtigkeit puffern und beanspruchte Stellen polstern.
  • Bei der Anprobe der Schuhe im Fachhandel am besten auch einmal die Innensohle herausnehmen und sich daraufstellen. So sieht man sehr schnell, ob der Fuß ausreichend Platz hat.
  • Die Schuhe im Geschäft am Nachmittag anprobieren, da die Füße im Laufe des Tages ein wenig anschwellen.
  • Auf Basis der Fußlänge eine Zugabe von 12 mm bei Kindern, und 15 mm (eine Fingerbreite) bei Erwachsenen wählen. Damit hat der Fuß auch beim Bergabgehen genügend Platz nach vorne.
Lowa_socken © Lowa
sebastian-pena-lambarri-1220289-unsplash

Die richtige Funktionswäsche atmungsaktiv als wichtigstes Kriterium

Die richtige Funktionswäsche erkennst du daran, dass sie wie eine Klimaanlage arbeitet – dir wird weder zu heiß noch zu kalt. Hast du die für dich perfekte Funktionswäsche gefunden, wirst du am Gipfel nicht mehr frieren, oder in am Ende der Wanderung müffeln weil du nassgeschwitzt bist – Baumwolle gilt es daher zu vermeiden. Die beste Wanderbekleidung ist sinnlos wenn die Unterwäsche, die ja direkt auf der Haut liegt, nicht atmungsaktiv ist.


Schritt 4: Unterwegs am Weitwanderweg

Apfel als gesunde Jause für Weitwanderer©unsplash

Wie ernähre ich mich richtig beim Weitwandern? Es gilt - Lieber öfter, weniger Essen

Als Nahrung beim Bergwandern eignen sich Äpfel, Bananen, Paradeiser, Vollkornbrot, Käse und etwas Wurst – nicht zu stark gesalzen. Zusätzlich sind auch folgende Lebensmittel sehr gut verdaulich.

  • Als Snack zwischendurch eignen sich Obst und Gemüsesticks
  • Müsliriegel
  • Trockenobst & Nüsse 
  • Genügend Wasser trinken
    Faustregel: Bei Sonnenschein und entsprechenden Temperaturen muss 1 l/Stunde zu sich genommen werden.  
  • Auch Traubenzucker oder ein isotonisches Pulver (oder Magnesium) gehört in den Rucksack – für alle Fälle

 

Die Fernwanderin Caro, die schon in Neuseeland am 3.000 km langen Te Araroa Trail und in den Pyrenäen mehrere Wochen unterwegs war, verrät euch ihre Tipps rund um die richtige Ernährung auf Weit- und Fernwanderwegen.

Tipps zur richtigen Ernährung

No Gos Das solltest du unterwegs meiden...

  • süße Getränke, stark kohlensäurehaltige Getränke und Milch
  • Die klassische Nahrung für den Bergsteiger, den Speck, sollte man wenig oder gar nicht verzehren
  • Auch bei einer Hütteneinkehr sollte man auf fettige Speisen verzichten, diese liegen lange im Magen und machen müde
Kaiserschmarrn besser nach der Wanderung statt zwischendurch©unsplash
Hüttenwanderung_Ramsau_Silberkarklamm_Silberkarhütte©Karmen Nahberger (72)

Hüttenübernachtung Was ich beachten muss...

  • Die Verwendung ei­nes Hüttenschlafsacks ist Pflicht. Er kann in vie­len Hütten oder in den Alpenvereinshops ge­kauft werden.
  • Alle Alpenvereinshütten sind rauchfrei.
  • Hunde sind in allen Schlafräumen grundsätzlich verboten. Das Unterbringen von Tieren muss im Vorhinein mit den Wirtsleuten abgeklärt werden.
  • In der Regeln gibt es auf den Hütten kein In­ternet oder WLAN und für das Aufladen von Handys muss teilweise ein Beitrag gezahlt werden.
  • In den meisten Hütten kann nur mit Bargeld bezahlt werden. Ob eine Kartenzahlung möglich ist, kann bei der Hüttenbeschreibun­gen unter „Ausstattung“ nachgelesen werden. Bei län­geren Aufenthalten oder größeren Gruppen wird oft darum gebeten im Vorhinein eine Überweisung zu machen.
  • Selbstversorgung ist nicht gestattet. Ausge­nommen sind Mitglieder in den für Selbstversorgung vorgesehenen Bereichen. Von Mitgliedern wird ein Infrastruk­turbeitrag (2,50 € für Tagesgäste/5 € für Nächtigungsgäste) erhoben.
  • Für Mitglieder gibt es ein Bergsteigeressen (max. € 9,-) und Teewasser (max. € 3,- pro Liter).

Weitwandern mit Kuhkontakt der Umgang mit den Tieren

Auf jeder Alm erwartet man Kühe, die auf den saftigen Almwiesen grasen. Wann die Kühe auf den Almen sind kann nicht genau gesagt werden, grundsätzlich sind sie aber in den Sommermonaten anzutreffen. Kühe stellen normalerweise keine Gefahr für Wanderer dar, ein falsches Verhalten von uns Menschen kann aber zu Konfliktsituationen führen.
Es gilt:

  • Distanz zu den Kühen halten
  • Kälber nicht streicheln
  • Hunde an die Leine!

Für den Fall der Fälle ist es immer sinnvoll einen Stock parat zu haben.

Tipps zum Kuhkontakt mit Hunden
Kuh Wiese © Pixabay
Weitwandern von Hütte zu Hütte©Karmen Nahberger

Schritt 5: Nach einer Weitwanderung... Erholen & Nachsinnieren

Wenn die Weitwanderung abgeschlossen ist  startet die Regnerationsphase und ihr könnt entspannt in Erinnerungen schwelgen und die Erlebnisse in der Natur revue passieren lassen. 

Gönnt euch ein warmes Fußbad, einen Besuch in der Sauna, eine Massage und viel Ruhe. Bei einer heißen Schokolade kann die Weitwanderung noch nachbesprochen werden. Wichtig ist es auch, viel  Flüssigkeit zu sich zu nehmen und den Kohlenhydrathaushalt wieder aufzufüllen um den Körper wieder zu stärken.

 

Nach der Weitwanderung ist vor der Weitwanderung und wir haben die besten Tipps für euch damit ihr schon eurer nächstes Abenteuer in der Natur planen könnt.

Panorama Weitwandern©simon-matzinger-320332-unsplash

Das könnte noch interessant für euch sein...